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Kolumbien: Gewalt gegen Menschenrechtsaktivisten auf Höchststand

Mit 844 Gewaltakten gegen soziale Aktivisten und Menschenrechtler in Kolumbien ist im vergangenen Jahr laut aktuellen Erhebungen ein trauriger Rekord erreicht worden.

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„Es gibt keine Demokratie ohne soziale Aktivisten“ steht auf diesem Plakat in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Foto: Adveniat/Tobias Käufer

Es handle sich um die höchsten Zahlen seit Beginn der eigenen Datenerhebung, heißt es im Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation "Somos Defensores" (Wir sind Verteidiger), der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. Darin erhebt die Nichtregierungsorganisation schwere Vorwürfe gegen die rechtsgerichtete Regierung von Präsident Ivan Duque, die sich der Realität verschließe und keine ausreichenden Maßnahmen zum Schutz der Umweltaktivisten und Menschenrechtsverteidiger ergreife, obwohl es in 30 der 32 Departaments entsprechende Vorfälle gegeben habe.

Mehr als die Hälfte der Morde nicht aufgeklärt

Zwar habe es 2019 mit 124 Fällen einen leichten Rückgang der Tötungen von Aktivistinnen und Aktivisten gegeben, dafür sei aber die Zahl von Übergriffen und Drohungen auf 628 gestiegen, hieß es. Statistisch würden in Kolumbien jeden Tag mindestens zwei Aktivisten Opfer von Einschüchterungen oder Übergriffen, an jedem dritten Tag wird ein Menschenrechtler ermordet. Verantwortlich für die Gewalt seien rechte paramilitärische Gruppen, linke Guerillagruppen wie die ELN-Guerilla, in den Untergrund abgewanderte Splittergruppen der inzwischen befriedeten Guerilla-Organisation Farc sowie Sicherheitskräfte. Besonders besorgniserregend sei, dass ein Drittel der Übergriffe nicht zuzuordnen sei. Von den 124 Morden seien bislang 66 Prozent nicht aufgeklärt.

Trotz Corona-Pandemie ist die Zahl der getöteten Umweltaktivisten und Menschenrechtler im laufenden Jahr laut "Somos Defensores" sogar noch einmal um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Wie eine Studie der Stiftung FIP berichtet, wurden zwischen Januar und April 50 Aktivistinnen und Aktivisten getötet. Seit Beginn der Corona-Quarantäne in Kolumbien wurden bereits 24 Menschenrechtsverteidiger umgebracht. Ein Großteil der Gewalttaten ist bislang ungeklärt.

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