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Zehn Tote bei Amoklauf an brasilianischer Schule

Zwei ehemalige Schüler haben ein Blutbad an ihrer Schule angerichtet. Brasilien steht nach dem jüngsten Amoklauf unter Schock.

Symbolfoto: Adveniat/Jürgen Escher

Gegen 9.30 Uhr am Mittwochmorgen fuhren Guilherme Taucci Monteiro (17) und Luiz Henrique de Castro (25) mit einem geliehenen Kleinwagen vor dem Colégio Raul Brasil vor, ihrer ehemaligen Schule in der Stadt Suzano im Großraum der Metropole São Paulo. Sobald sie das Eingangstor passiert hatten, zog Guilherme einen Revolver und schoss auf Schüler und Angestellte. Luiz Henrique hieb derweil mit einer Axt auf bereits am Boden liegende Opfer ein. Videos von Überwachungskameras zeigen die verzweifelt in alle Richtungen fliehenden Schüler. 

Fünf Schüler und zwei Angestellte starben bei dem Amoklauf. Elf weitere Personen wurden verletzt. Als die Polizei nur wenig später eintraf, erschoss Guilherme zuerst seinen Komplizen, bevor er sich selbst tötete. Die Polizei stellte den Revolver Kaliber 38 samt weiterer Munition, die Axt, eine Armbrust sowie einen Bogen und Pfeile sicher. Zudem hatten die Angreifer Molotow-Cocktails und eine Bombenattrappe dabei.

Vorher weiterer Mord 

Das schnelle Eingreifen der Polizei hat verhindert, dass es zu noch mehr Opfern kam. Die Beamten waren kurz zuvor über eine Schießerei in einem Geschäft informiert worden. Auf dem Weg dorthin wurden sie auf die in der Schule fallenden Schüsse aufmerksam. Später stellte sich heraus, dass die beiden Angreifer auch für die Schüsse in dem Geschäft verantwortlich waren. Dort hatten sie auf dem Weg in die Schule Guilhermes Onkel getötet.

Die Angreifer sollen laut der Polizei ihre Tat über eineinhalb Jahre geplant haben. Weil Guilhermes Onkel den Plan entdeckte, musste er sterben, vermutet die Polizei. Die Motive für den Amoklauf in der Schule sind noch ungewiss. Guilhermes Mutter sagte jedoch gegenüber einem TV-Sender, dass ihr Sohn in der Schule Opfer von Bullying gewesen sei. Anzeichen für den bevorstehenden Amoklauf habe sie jedoch nicht an ihm entdeckt. Ihr Sohn sei eine ruhige Person gewesen. Die Polizei stellte jedoch Hefte im Haus des 17-jährigen Guilherme sicher, in denen der Jugendliche Gewaltszenen gezeichnet und beschrieben hat. Dabei sei er offensichtlich von Gewalt-Videospielen wie Garena Free Fire und Call of Duty inspiriert worden. Zudem stellte er kurz vor der Tat Fotos ins Internet, auf denen er mit dem Revolver zu sehen ist.

Diskussion über Schusswaffen 

Laut einer Klassenkameradin habe Guilherme davon gesprochen, den Amoklauf an der Columbine High School nachahmen zu wollen. Im Jahr 1999 hatten zwei Schüler im US-Bundesstaat Colorado 12 Schüler und einen Lehrer erschossen, bevor sie Selbstmord begangen. Auch in Brasilien selber hat die Tat Vorläufer. Im Jahr 2011 tötete ein Angreifer in einer Schule in Realengo (Rio de Janeiro) 12 Schulkinder. Im Jahr 2017 übergoss der Wachmann eines Kindergartens Kinder und Betreuer mit Alkohol und zündete sie an. Acht Kinder und eine Betreuerin starben.

Der Amoklauf in Suzano löste am Mittwoch eine Diskussion über die Freigabe von Schusswaffen aus. Die Freigabe war ein Wahlkampfversprechen des neugewählten Präsidenten Jair Messias Bolsonaro gewesen. Mitte Januar hatte er per Dekret den Erwerb von Schusswaffen erleichtert. Dem soll bald ein neues Gesetz folgen, das das Tragen von Waffen im öffentlichen Raum erleichtert. Man müsse gute Bürger bewaffnen, damit die sich vor bewaffneten Banditen schützen können, so der Präsident. Parlamentspräsident Rodrigo Maia sprach sich angesichts des Amoklaufs jedoch gegen eine Lockerung der Waffengesetze aus. Dies würde zur Barbarei führen, so Maia. Bolsonaros Sohn Eduardo, Abgeordneter im brasilianischen Parlament, forderte hingegen die Lockerung der Gesetze, um derartige Gewalttaten zu verhindern. 

Sein Bruder Flávio Bolsonaro kritisierte ebenfalls die bestehenden Waffengesetze. Zudem forderte der Senator angesichts des minderjährigen Täters eine Herabsetzung der vollständigen Strafmündigkeit. Diese liegt derzeit bei 18 Jahren. Die Regierung des Teilstaates São Paulo kündigte derweil an, neue Sicherheitskonzepte für die Schulen zu entwerfen.

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