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Papst: Nehmt euch Oscar Romero als Beispiel 

Oscar Romero, Papst, WJT

Wandbild von Oscar Romero vor der „Casa de la Juventud“ in El Salvador (Foto: Adveniat/Achim Pohl)

Papst Franziskus hat die Bischöfe Zentralamerikas zu mehr Engagement für Bildung junger Menschen aufgefordert. So könne es gelingen, viele notleidende Betroffene von der Straße zu holen, sagte er am Donnerstagvormittag (Ortszeit) in Panama-Stadt. Zu vielen Jugendlichen, besonders Frauen, drohten tödliche Gewalt sowie Drogen, kriminelle Banden, Ausbeutung und Missbrauch. Viele junge Menschen stammten aus Familien, "die von einem wirtschaftlichen System zerrüttet wurden, das nicht die Menschen in den Vordergrund stellt, sondern Spekulation".

Während seiner 45-minütigen Ansprache in einer Kirche im Zentrum von Panama-Stadt erinnerte der Papst die Bischöfe an das Vorbild Oscar Romero (1917-1980). Im Oktober hatte Franziskus den 1980 ermordeten Erzbischof aus El Salvador heiliggesprochen. Romeros "Fühlen mit der Kirche" sei getragen gewesen von Dankbarkeit für die Kirche, von Liebe für den einzelnen Menschen ohne die Angst, auch seine "Wunden zu berühren". Das "Herz eines Hirten wird an seiner Fähigkeit gemessen, sich von so vielen verletzten und bedrohten Leben bewegen zu lassen", mahnte der Papst. Das habe durchaus Folgen für Terminkalender, die Verwendung von Geldern sowie andere "Prioritäten und Geschmäcker".

Gastfreundschaft durch die Kirche

Der Weltjugendtag in Panama, der noch bis Sonntag dauert, sei eine "einzigartige Gelegenheit", jungen Menschen zu begegnen, führte der Papst weiter aus. Dabei sollten die Bischöfe die Unruhe der Jugendlichen "wertschätzen, respektieren und begleiten". Unruhe "tut uns allen gut, weil sie uns aufrüttelt", so Franziskus. Erneut wies er auf die vielen jungen Migranten Amerikas hin. Sie hätten "keine Angst, alles zu riskieren und zu verlassen, um Mindestbedingungen für eine bessere Zukunft" zu erreichen. Ihnen könne die Kirche dank ihrer Universalität solidarische Aufnahme und Gastfreundschaft anbieten.

Darüber hinaus forderte Franziskus Respekt und Würde für die Vielfalt indigener Kulturen. "Eure Völker sind nicht der 'Hinterhof' der Gesellschaft oder sonst jemandes", mahnte Franziskus unter Anspielung auf eine jahrzehntelange Auffassung und Politik, die Mittelamerika als "Hinterhof der USA" und multinationaler Firmen betrachtete. Schließlich legte der Papst den Bischöfen das Wohl ihrer Priester ans Herz. Sie sollten sich fragen: "Wie sehr bewegt mich das Leben meiner Pfarrer?" Die Pfarrer "sind in der Schusslinie. Sie tragen die Last des Tages und die Hitze auf ihren Schultern", betonte Franziskus. Die Wirksamkeit von Seelsorge hänge nicht ab von Geldsummen oder der Zahl von Veranstaltungen, sondern der Fähigkeit des Seelsorgers, mitzuleiden und einfühlsam zu sein. (KNA)

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