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Weltjugendtag in Panama - Sozialpraktikum, Spiritualität und Salsa

Rund 2.300 junge Deutsche werden in der zweiten Januarhälfte ein besonderes Gefühl von Weltkirche erleben - beim 34. Weltjugendtag in Panama.

"O wie schön ist Panama" - ob es auch dieses Janosch-Buch war, das neugierig auf den Weltjugendtag (WJT) in Mittelamerika gemacht hat? Jedenfalls haben sich für das Treffen junger Katholiken, das vom 22. bis 27. Januar in dem mittelamerikanischen Land stattfindet, bereits jetzt deutlich mehr Deutsche als sonst angemeldet. Eine Viertelmillion Teilnehmer aus aller Welt wird in Panama erwartet, darunter rund 2.300 junge Leute aus Deutschland. "Das ist deutlich mehr, als wir erwartet haben - wir haben mit 1.000 gerechnet", erklärt Paul Metzlaff von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj). Damit bilden die Deutschen nach den Polen mit über 3.500 Anmeldungen die zweitgrößte Gruppe im Nationenranking.

Große Herausforderung für ein kleines Land

Metzlaff freut sich über das große Interesse, trotz ungünstiger Rahmenbedingungen - "keine Ferien, Prüfungszeit an Unis und weit weg". Alle Fahrten nach Panama seien derzeit "aus- und zum Teil überbucht". Dafür gibt es laut Metzlaff mehrere Gründe: Die vorangehenden Tage der Begegnung finden vom 16. bis 21. Januar in attraktiv klingenden Ländern wie Costa Rica, Mexiko, El Salvador, Nicaragua und Panama statt, die WJT-Woche selbst in Panama-Stadt. Panama sei mit Palmen, Karibik, Regenwald und der quirligen Metropole eine Art "Traumziel". Zudem sei die Region bekannt für "tolle Rhythmen, Tänze und Gesänge - es schwingen viele Dinge mit". Der WJT finde in einem sehr kleinen Land statt, das nicht über die Manpower verfügt wie die letzten großen Ausrichter Polen, Brasilien oder Australien; das sei eine Herausforderung, sagt Metzlaff. Aber Papst Franziskus habe mit der Wahl des Landes die Botschaft verbunden: "Auch in vermeintlich kleinen Ländern kann die Welt zu Gast sein." Die jungen Besucher aus Deutschland könnten sich jedenfalls auf "riesige Gastfreundschaft in einem wunderschönen Land" freuen, so Metzlaff.

Alleine aus dem Bistum Fulda werden das 176 Jugendliche erleben. "Wir fahren aufgeteilt in drei Gruppen, zwei davon zur langen Fahrt, also inklusive der Tage der Begegnung, eine Gruppe reist nur zur Woche in Panama-City," erklärt der Jugendpfarrer des Bistums Fulda, BDKJ-Präses Alexander Best. Mit 55 Teilnehmern die größte Gruppe stellt das Marianum in Fulda. Musik- und Deutschlehrer Karl-Heinz Vogel organisiert die Reise nach Panama. 30 der Jugendlichen gehören dem von ihm geleiteten Schulorchester an. "Von der Querflöte bis zur Tuba" werden sie auch ihre Instrumente mitnehmen, um vor Ort Katechesen musikalisch zu gestalten. Aber auch weltliche Stücke sollen erklingen. "Der WJT lebt von Spontanität, wir werden uns einfach irgendwo hinstellen und musizieren", sagt der 60-jährige Pädagoge, der sich selbst als "Weltjugendtagsopa" bezeichnet. Panama wird nach Australien, Spanien, Brasilien und Polen die fünfte Glaubensparty dieser Art für ihn sein. Seit eineinhalb Jahren bereitet er seine Schüler, auch unterstützt von Schulseelsorger Sebastian Bieber, auf Panama vor. Auch die Eltern müssten ins Boot geholt werden, nicht nur weil sie die Reisekosten von rund 1.600 Euro tragen. "Die meisten Schüler sind um die 16, das erfordert großes Vertrauen von den Eltern."

Adveniat zeigt die Lebenswirklichkeit benachteiligter Menschen

Die Zeit in Panama soll bei den jungen Leuten nachwirken. Deshalb absolvieren einige von ihnen vor Ort ein von ihrer Schule anerkanntes Sozialpraktikum. Durch Vermittlung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat können sie in Projekte reinschnuppern und so die Lebenswirklichkeit benachteiligter Menschen - beispielsweise Aids-Kranke, Drogensüchtige, Indigene - kennenlernen. Durch sorgsame Vor- und Nachbereitung soll laut ajf-Mitarbeiter Metzlaff der Eindruck vermieden werden, die jungen Leute würden nur "einfliegen und wie durch einen Zoo laufen". Das Interesse an den Praktika sei bei den deutschen Teilnehmern sehr groß. Es könnten aber nur maximal jeweils 20 Personen daran teilnehmen; "wir haben viel mehr Pilger als Plätze". Lehrer Vogel weiß von den früheren Weltjugendtagen, dass die Zeit dort auf jeden Fall Spuren hinterlässt. "Die Schüler ticken danach einfach anders", erinnert sich der Pädagoge. Das Gemeinschaftserlebnis bleibe ein Leben lang haften, "man wächst zusammen, über den Schulalltag und das normale Schüler-Lehrer-Verhältnis hinaus".

Wer jetzt noch spontan Lust bekommt, auch zu dem Glaubensevent mit dem Papst nach Panama zu fahren, für den bestehen laut Metzlaff trotz Überbuchung noch Chancen. Er rät, zunächst bei den entsprechenden Jugendstellen der eigenen Diözese anzufragen. Denn es komme immer wieder vor, dass ein Teilnehmer abspringt. Ansonsten rät der ajf-Mitarbeiter, sich selbst mit Freunden um Flug und Unterkunft zu kümmern und online das Pilgerpaket zu buchen.

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