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Miriam Miranda – Die Rebellin der Karibik

Foto: Erika Harzer

„Sie bringen uns um!“ Zuletzt postete Miriam Miranda diesen Satz auf Twitter am 12. Oktober dieses Jahres. An diesem Tag töteten Auftragsmörder die Lehrerin Maria Digna Montero in ihrer Wohnung in Cuzuna, einer Garifunagemeinde an der honduranischen Karibikküste. 17 ermordete Garifunas gab es bisher 2019, davon sechs politisch aktive Frauen. Drogenkartelle und Banden der organisierten Kriminalität greifen ihr Volk an, so Miriam Miranda. Die 54-jährige Miranda ist Koordinatorin von OFRANEH, einer Organisation afrikanischstämmiger Honduraner, die seit Jahrzehnten gegen Diskriminierung, Landraub und Vertreibung und für den Erhalt ihrer Traditionen kämpft.

Das umkämpfte Land der Garifunas 

Das traditionelle Siedlungsgebiet der Garifunas erstreckt sich von Belize bis hinunter nach Costa Rica entlang der Karibikküste. 2001 wurde die Kultur der Garifunas in die UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Doch diese internationale Anerkennung schützt die Garifunas in Honduras nicht vor Landraub und gewaltsamer Vertreibung. Denn das ihnen gehörende Gemeindeland liegt in einer heiß umkämpften Region. Multinationale Konzerne bauen widerrechtlich auf ihren Ländereien Bodenschätze ab oder legen Palmöl Monokulturen an. Auch bei Tourismusprojekten geht es immer wieder um widerrechtliche Aneignung des Landes der Garifuna. Dazu kommen die in der Region agierenden Drogenkartelle. Landtitel in den Händen der Garifuna nützen wenig, da Politiker häufig Investoren bei deren Projekten bevorzugen und Menschenrechtsverletzungen in Kauf nehmen, wenn um die Rechte der indigenen Völker geht. Honduras gehört zu den gefährlichsten Ländern für Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten. 

Die Kämpferin für Grundrechte

In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Menschenrechtsaktivistin Miriam Miranda seit über 30 Jahren. Weder direkte Angriffe auf ihre Person, zu der auch eine Entführung gehörte, noch wiederholte Anklagen gegen sie oder permanente Morddrohungen, halten sie von dieser Arbeit ab. Sowohl auf internationalen Foren oder in als auch in abgelegenen Garifunagemeinden sind ihre Botschaften von großer Bedeutung. Sie forciert solidarische Gemeindestrukturen, mit dem Recht auf Bildung und gemeinsamer Ökonomie. Und sie leistet Widerstand gegen Landraub, gegen die Abhängigkeit der Kleinbauern von Konzernen und forciert alternative Anbauformen in den Gemeinden.

Feminismus und Umweltschutz

Miranda ist Feministin. Vor wenigen Monaten sagte sie, dass der Planet Erde zur Hölle fahre, sollten die Frauen nicht die Verteidigung der natürlichen Ressourcen unterstützen. Im Sommer 2019 gehörte sie zu den Organisatorinnen eines Frauenkongresses mit rund 1.200 Frauen aus ganz Honduras, der auf einem ehemals von Drogenkartellen besetzten Gebiet der Garifunas stattfand, das sie bereits zurückerobern konnten. Das Thema: Konzepte für eine soziale gerechte und umweltbewusste Gesellschaft.

Ihr mutiges Engagement für Menschenrechte sowie „ihr anhaltendes Engagement für die Rechte des Volkes der Garifuna und des Umweltschutzes“ würdigt die Friedrich-Ebert-Stiftung am 27. November 2019 in Berlin mit der Verleihung des Menschenrechtspreises 2019.

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