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Kirche wird zum Schlüsselfaktor für Hilfslieferungen

In Venezuela sind Hunderttausende Venezolaner dem Aufruf von Gegenpräsident Juan Guaido zu Protestmärschen gegen die Regierung gefolgt. Präsident Nicolas Maduro bekräftigt derweil seinen Machtanspruch.

Nicolás Maduro bei seiner Vereidigung 2019 (Foto: Presidencia El Salvador, Flickr, CC0 1.0)

Inmitten der politischen und humanitären Krise in Venezuela kommt der Bischofskonferenz und den kirchlichen Organisationen in dem südamerikanischen Land eine Schlüsselrolle zu. Wie die Tageszeitung "El Universal" am Wochenende berichtete, wird die venezolanische Kirche bei der Verteilung von Hilfsgütern eine zentrale Funktion einnehmen. Bei einem Treffen am Sitz der Bischofskonferenz zwischen Kirchenvertretern, Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen, Gegenpräsident Juan Guaido und dem Vize-Vorsitzenden der Nationalversammlung, Stalin Gonzalez, wurde vereinbart: Koordination und Verteilung der Hilfsgüter sollen durch Caritas Venezuela, das Rote Kreuz und weitere beteiligte Organisationen erfolgen.

Guaido forderte die venezolanischen Streitkräfte auf, dafür zu sorgen, dass die Hilfe in jede Ecke des Landes gelange. "Wir stecken inmitten einer humanitären Notlage, die das Regime nicht anerkennen will", zitierte "El Universal" Guaido. Die Militärs hätten nun den Schlüssel in ihren Händen, um die gemeinsam mit der UNO organisierte Hilfe ins Land zu lassen, so Guaido weiter. Priorität hätten Kinder, schwangere Frauen und Senioren, sagte der Parlamentsabgeordnete Jose Trujillo. Am Samstag kam es in ganz Venezuela erneut zu Massenprotesten gegen die Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro. Allein in Caracas versammelten sich nach einem Aufruf Guaidos rund 100.000 Menschen. Dabei kündigte der Parlamentspräsident an, dass in der kolumbianischen Grenzstadt Cucuta, in Brasilien und in der Karibik Zentren der humanitären Hilfe für Venezuela eröffnet würden.

Keine Protestbilder von den Staatsmedien

Guaido bekräftigte dabei die Forderung der Opposition nach einem friedlichen Regierungswechsel. Die Zeit Maduros sei abgelaufen. In Richtung der internationalen Medien sagte er, es handele sich nicht um einen Staatsstreich, sondern um die Rückkehr zur institutionellen Demokratie wie sie in der Verfassung niedergeschrieben sei. Die Opposition erkennt die am 10. Januar begonnene weitere Amtszeit von Nicolas Maduro nicht an, weil bei dessen Wahlsieg im Mai 2018 die aussichtsreichsten Kandidaten der Opposition nicht zugelassen waren. Aus allen Landesteilen wurden ähnliche Protestmärsche der Opposition gemeldet.

Die von der Regierung Maduro kontrollierten Medien zeigten davon allerdings keine Bilder, sondern übertrugen eine Gegenveranstaltung der Sozialisten aus Anlass des 20. Jahrestages des Amtseides von Revolutionsführer Hugo Chavez. Maduro mobilisierte ebenfalls einige tausend Anhänger und bekräftigte seinen Machtanspruch. Er sei der legitime Präsident des wahren Venezuela - basierend auf der Verfassung. Der Opposition warf Maduro vor, Teil eines Putschversuches zu sein, der von den Regierungen in Bogota und Washington gesteuert werde.

Die Venezolanische Bischofskonferenz stellte sich in den Sozialen Netzwerken noch einmal auf die Seite der Opposition. Auf Twitter wiederholte sie eine Forderung des emeritierten Erzbischofes von Caracas, Kardinal Jorge Urosa, der Maduro aufforderte, die Macht abzugeben. Unterdessen brachte der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Jose Luis Azuaje, ein Eingreifen von UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet ins Spiel. Alle internationalen Organisationen seien willkommen, die zur Beendigung der Gewalt im Land beitrügen.

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