Chile |

Indigene werfen Umweltministerin Heuchelei vor

Auf der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid hatte Umweltministerin Carolina Schmidt aus Anlass der Einweihung des chilenischen Pavillons eine Ansprache gehalten.

Protest der Mapuche beim Klimagipfel COP25 in Madrid. Foto: Mapuche Flag, John Englart, CC BY-SA 4.0

Indigene Vertreter werfen der parteilosen Politikerin vor, umweltpolitisch nicht konsequent zu sein. Mit Blick auf den Lithium-Abbau im Salar de Atacama, einem im Norden Chiles gelegenen Salzsee, weisen die Indigenen darauf hin, dass Unmengen an Wasser mit Genehmigung der chilenischen Regierung abgezogen würden. Es handele sich um eine „Plünderung“ der Ressourcen der indigenen Völker, die gestoppt werden müsse, so Ximena Paiequeo von der Mapuche-Organisation Identidad Territorial Lafkenche.

Was die Umweltministerin in Madrid erkläre, sei geheuchelt, kritisierte Sergio Cubillos, der Vorsitzende der indigenen Organisation Consejo de Pueblos Atacameños. Diese wurde 1994 gegründet und ist von Chiles Ley Indígena geschützt. 18 indigene Gemeinschaften haben sich zusammengeschlossen, um ihre Interessen zu vertreten und ihre Kultur zu erhalten.  

Chiles Regierung setzt auf Lithium-Abbau

Die beiden indigenen Vertreter äußerten sich im Rahmen der Klimakonferenz in Madrid. Der Gipfel hätte in Santiago de Chile stattfinden sollen, wurde aber von der Regierung Piñera aufgrund der schweren politischen Unruhen im Land kurzfristig abgesagt. Die UN-Klimakonferenz begann am 2. Dezember und dauert noch bis zum 13. Dezember. Sergio Cubillos warf Umweltministerin Schmidt vor, im fernen Madrid eine wohlklingende Rede zu halten, zuhause aber nicht zu handeln. Präsident Sebastián Piñera höchstpersönlich habe Unternehmen zu Investitionen aufgerufen, um im Salar de Atacama Lithium abzubauen. Der Zustand des Salzsees sei aber ungewiss. Die zur Klärung erforderlichen Studien lasse der chilenische Staat jedoch nicht vornehmen. Die Salare trockneten mehr und mehr aus. Auch gegen das Schmelzen der Anden-Gletscher werde nichts unternommen. Investitionen hätten für Chiles Regierung eindeutig Vorrang vor dem Leben und der Kultur der indigenen Völker.

Grundwasserspiegel sinkt dramatisch ab

In der Atacama-Wüste lagern riesige Lithium-Vorkommen. Das Leichtmetall ist sehr begehrt und wird für die Herstellung von Batterien für Elektroautos sowie von Akkus für Notebooks und Mobiltelefone verwendet. Chiles Regierung hat das Ziel ausgegeben, 350.000 Tonnen Lithium pro Jahr zu fördern. Für die Herstellung einer Tonne Lithitumsalz werden zwei Millionen Liter Wasser benötigt. Dies führt zu einem deutlichen Absinken des Grundwasserspiegels. Flüsse drohen vollständig auszutrocknen.

Weitere Nachrichten zu: Umwelt