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Nächster Vargas-Llosa-Roman spielt in Guatemala

1954 wurde in Guatemala die Reformregierung von Präsident Jacobo Árbenz mit Unterstützung der CIA durch einen Militärputsch gestürzt. Stoff für das neue Werk des peruanischen Literatur-Nobelpreisträgers.

Der neue Roman von Mario Vargas Llosa "Tiempos recios" soll im Frühjahr 2020 in deutscher Übersetzung im Suhrkamp-Verlag erscheinen. Foto: Mario Vargas Llosa, Fronteiras do Pensamento/Luiz Munhoz, CC BY-SA 4.0​​​​​​​

Am 8. Oktober wird der neue Roman von Mario Vargas Llosa auf Spanisch erscheinen. Der Suhrkamp-Verlag plant die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe für Frühjahr 2020. „Tiempos recios“ („Harte Zeiten“) rekonstruiert die internationale Verschwörung, die zum Sturz von Präsident Árbenz führte. In einem gerade auf stern.de erschienenen Interview spricht Vargas Llosa von einer sozialdemokratischen Regierung. Die USA jedoch seien sehr nervös geworden, da sie gedacht hätten, es handele sich um eine Revolution der Kommunisten.

Schriftsteller kandidierte 1990 für die Präsidentschaft Perus

Der heute 83-jährige Vargas Llosa war bereits im Jahr 2000 in die lateinamerikanische Geschichte eingetaucht.  Sein Roman „La fiesta del chivo“ („Das Fest des Ziegenbocks“)  spielt in der Dominikanischen Republik zur Zeit des Diktators Rafael Trujillo, der bis zu seinem Tod 1961 die Bevölkerung des Inselstaats 30 Jahre lang unterdrückte. Vargas Llosa, der sich 1990 in Peru um die Präsidentschaft bewarb, beschäftigt sich nun erneut mit einem traumatisierten Land: Guatemala.

Die Personen in „Tiempos recios“ sind teils real, teils fiktiv – ein wiederkehrendes Merkmal mehrerer Romane von Vargas Llosa. Die Machtspiele zwischen den USA und Lateinamerika haben auch aktuellen Bezug. Der Schriftsteller wird von der spanischen Zeitung „El País“ mit den Worten zitiert, er habe nichts erfunden, was in dem erzählten Kontext nicht tatsächlich hätte passieren können – wie bereits in „La fiesta del chivo“.

Unliebsame Regierung sollte abgesägt werden

In den 1990-er Jahren belegten Dokumente aus den CIA-Archiven eindeutig, dass die US-Regierung den Impuls zum Putsch in Guatemala 1954 gegeben hatte. Wieder einmal wurde in Lateinamerika ein Versuch, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, gewaltsam beendet. Der Kalte Krieg tobte, die Eisenhower-Administration bezichtigte Árbenz ohne Grund der Nähe zur Sowjetunion. Fakt war vielmehr, dass die berüchtigte United Fruit Company um ihr Bananen-Geschäft fürchtete. Es wurde eine Bedrohungslage konstruiert, die als Vorwand zum Eingreifen der USA diente. Vargas Llosa, ein Bewunderer des US-Präsidenten Ronald Reagan (1981 - 1989), flirtete in jungen Jahren kurz mit dem kubanischen Kommunismus. (bs)