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Mord verbreitet Angst unter Indigenen

 

Ein indigener Anführer wird ermordet, ein Goldschürfer ist tatverdächtig. Die UN verurteilen die Tat, doch Präsident Jair Bolsonaro bezweifelt sie - und schürt so die Spannungen in Amazonas.

Goldschürfer in der brasilianischen Carajás-Region (Symbolfoto: Adveniat/Bauerdick)

Vor einer Woche war Emyra Wajãpi, ein Anführer des indigenen Wajãpi-Volkes im Nordwesten Brasiliens, ermordet aufgefunden worden. Doch erst jetzt rückt die Polizei auf dem Reservat Terra Indígena Wajãpi im Bundesstaat Amapá an. Jawaruwa Wajãpi, Gemeinderat von Pedra Branca do Amapari, begleitet die Ermittler auf der Suche nach den Tätern. Mitglieder des Wajãpi-Volkes haben Spuren in dem geschützten Gebiet gefunden, die auf illegale Goldsucher hindeuten, und die Behörden benachrichtigt. "Alle Familien der Wajãpi haben jetzt Angst, das Haus zu verlassen, ob zum Jagen, Fischen oder aus anderen Gründen", erklärt Jawaruwa der DW in Aramira, einer von 49 Siedlungen des indigenen Territoriums. "Die Invasoren verstecken sich noch auf unserem Land.”

Jawaruwa hat zu der weltweiten Berichterstattung über die Ermordung Emyras beigetragen. "Er führte den historischen Kampf um Abgrenzung und Schutz des indigenen Territoriums an", schreibt Jawaruwa über Emyra. "Mit ihm hat unser Volk viel an Wissen und Erfahrung verloren.”

"Ein beunruhigendes Symptom"

Der Mord löste auch internationale Reaktionen aus. Michelle Bachelet, die Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, bezeichnet den Mord als ein "beunruhigendes Symptom des wachsenden Problems von Invasionen auf indigenem Land - vor allem im Urwald - durch Goldschürfer, Holzfäller und Kleinbauern in Brasilien." Bachelet fordert eine zügige und effektive Ermittlung. Die brasilianische Regierung müssen "ihren politischen Kurs gegenüber indigenen Völkern und ihren Gebieten überdenken, damit Emrya Wajãpis Tod nicht eine weitere Welle der Gewalt einläutet, die Völker aus ihrem Stammesland vertreiben und die weitere Zerstörung des Regenwalds ermöglichen soll".

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bezweifelt den Mord an Emyra Wajãpi: "Es gibt keine starken Hinweise darauf, dass dieser Indianer dort ermordet wurde. Ich werde versuchen, diesen Fall aufzuklären, und die Wahrheit zu zeigen."

Im Interesse der Unternehmen

In einer Erklärung vor Journalisten wiederholt er auch seinen Wunsch, die Suche nach Gold im Kleinbergbau zu legalisieren: "Das würde auch für Indianer gelten. Sie haben das Recht, auf ihrem Besitz Gold zu schürfen, denn indigenes Territorium ist fast wie ihr Landbesitz." Bolsonaro behauptet, NGOs und andere Länder seien gegen solche Maßnahmen, weil sie indigene Völker in einem "Zoo" wie "prähistorische Tiere" gefangen sehen wollen.

Kleber Karipuna, der Beauftragte der Koalition Indigener Organisationen des brasilianischen Amazonas (COIAB) im Bundesstaat Amapá, sagt, die Position des Präsidenten schütze die Interessen des Privatsektors, allen voran die des Bergbaus. "Er spricht über die Freigabe des Goldschürfens, um die Öffentlichkeit zu gewinnen, und um den Bergbau auf indigenem Territorium zu legalisieren. Aber dafür braucht er die Zustimmung des Kongresses".

Eine andauernde Bedrohung

Das Gebiet der Terra Indígena Wajãpi wurde 1996 eingerichtet und hat etwa 1000 Einwohner. Seit langem ist dieses Gebiet von den Goldsuchern bedroht. In den Achtzigerjahren schleppten sie Krankheiten ein, an denen Indigene starben. Seit Anfang des Jahres klagen indigene Anführer aus verschiedenen Völkern über einen Anstieg der illegalen Goldsuche, vor allem in den Territorien der Yanomami in den Bundesstaaten Roraima und Amazonas und in denen der Kayapó- und Munduruku-Völker im Bundesstaat Pará. Alle Gebiete liegen im Regenwald des brasilianischen Nordens.

"Dieser Anstieg an illegalen Aktivitäten und Emyras Tod sind direkte Folgen von Jair Bolsonaros Haltung zum Goldschürfen auf indigenem Territorium. Er kümmert sich nicht darum, was am Ende geschehen wird, ob es Konflikte zwischen Goldschürfern und Indigenen geben wird, ob jemand stirbt", klagt Kleber Karipuna.

Bolsonaros Verbindung zu den Goldgräbern

Das Goldschürfen ist Teil von Bolsonaros Vergangenheit. Als Abgeordneter hatte er 2018 erklärt, Goldschürfen liege ihm im Blut. Während eines Empfangs in der Abgeordnetenkammer in Brasília für Vertreter von Goldgräbern der Serra Pelada erwähnte Bolsonaro, dass auch sein Vater dort, im Süden des Bundesstaats Parás, nach Gold gesucht habe. Indigene Völker sind kein neues Angriffsziel für Bolsonaro. Während seiner Wahlkampagne hatte er verkündet, im Falle seines Sieges "keinen Zentimeter mehr für indigene Reservate" herzugeben.

In einer seiner ersten Amtshandlungen als Präsident entzog er der FUNAI, der für indigene Anliegen zuständigen Behörde, und dem Justizministerium die Zuständigkeit für die Festlegung von indigenen Territorien. Stattdessen teilte er diese Zuständigkeit dem Landwirtschaftsministerium zu, das auch für die Angelegenheiten von Großgrundbesitzern zuständig ist. Diese Entscheidung wurde jedoch vom Kongress rückgängig gemacht.

Auf einer Veranstaltung in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, erklärte Bolsonaro, dass er die Unterstützung reicher Länder bei der Erschließung der Bodenschätze suche. In der brasilianischen Verfassung haben indigene Völker ein Recht auf fortdauernden Besitz der von ihnen bewohnten Fläche, und auf die exklusive Nutzung der dort befindlichen Rohstoffe und Bodenschätze. Außerdem bestimmt die Verfassung, dass die Regierung die Pflicht hat, sie und ihren Besitz zu schützen.

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