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Die Amazonas-Synode: So fern und doch so nah

Der Vatikan hat die Vorbereitungen für die Sondersynode zum Amazonas einen wichtigen Schritt vorangebracht: Das "Instrumentum laboris" ist fertig und angenommen. Zwei Themen sind den Verfassern besonders wichtig.

Amazonas, Tiere, Synode

Der Amazonas (Foto: Jürgen Escher/Adveniat)

Die beiden Kern-Themen der Amazonassynode im Oktober hat Kardinal Pedro Barreto Jimeno dieser Tage in Rom auf den Punkt gebracht. Erstens: Die Kirche "amazonisieren" und zweitens: Die Gesellschaft "Laudato si-ieren", sagte der Peruaner, Vizepräsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks (REPAM), bei einer eintägigen Konferenz zu den Herausforderungen und Perspektiven der Amazonas-Synode am vergangenen Donnerstag in Rom. Auch das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat setzt sich besonders für den Schutz des Amazonas-Tieflands ein und setze viel Hoffnung auf die im Herbst beginnende Amazonas-Synode in Rom, wie das Hilfswerk per Pressemitteilung bekanntgab. „Aus Solidarität mit der weltweiten „Fridays for Future“-Bewegung haben Mitglieder des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit den Aufruf „Churches for Future“ initiiert. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt den Aufruf: „Der eindringliche Ruf der Jugendlichen zur Umkehr ist angesichts des fortschreitenden Klimawandels und des viel zu zögerlichen Handelns in Politik und Gesellschaft sehr berechtigt“, sagt Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens.

Dem Treffen in Rom vorausgegangen war ein zweitägiges Treffen der Synoden-Organisatoren, bei dem auch das "Instrumentum laboris" verabschiedet wurde. Veröffentlicht werden soll das Arbeitsdokument laut Synodensekretariat in der ersten Juni-Hälfte. Welche Themen auch darin eine besondere Rolle spielen, machte nicht nur Barreto klar.

Erstens: Die Umwelt. Umweltschutz im Sinne von Franziskus' Enzyklika "Laudato si" ist unbestritten eines der brennenden Themen der Synode. Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes, REPAM-Präsident und Generalrelator der Synode, betonte: Ganzheitliche Ökologie und Antworten auf den Klimawandel gehen alle an. So fern Amazonien einigen scheinen mag, so nah sind die Auswirkungen dortiger Entwicklungen, unterstreicht Hummes: Die Amazonasregion spielt als "Lunge der Erde" eine besonders wichtige Rolle - nicht nur für die Menschen vor Ort, sondern für alle. Amazonien sei entscheidend für die Zukunft der Erde: "Es ist ein wichtiger Punkt für das ökologische Gleichgewicht und ökologische Nachhaltigkeit auf dem ganzen Planeten, der noch nie so stark bedroht war wie heute", zitierte der "Osservatore" Hummes. Der ghanaische Kurienkardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, Präsident des Päpstlichen Rats Justitia et Pax, dem vatikanischen "Entwicklungsministerium", mahnte angesichts dessen eine Generationen übergreifende Zusammenarbeit an: "Wir dürfen uns nicht auf heutige Bedürfnisse beschränken" sagte er. Mit Blick auf nachfolgende Generationen forderte er Weitsicht im Umgang mit den Ressourcen der Erde.

Zweitens: "Amazonisieren der Kirche". Der Weltkirche müsse bewusster gemacht werden, dass auch sie Amazonien ist. Kardinal Hummes besuchte bei den Vorbereitungen auf die Sondersynode zum Amazonas die 38 Diözesen des Amazonasregenwalds; er und Barreto betonten, wie wichtig es ist, den Menschen dort zuzuhören. "Sie sind zum ersten Mal bedeutend für die Kirche: Die Unsichtbaren werden auch für die Gesellschaft sichtbar", so Kardinal Barreto. Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang: Die Forderung einer "indigenen Kirche", die ihre eigene Kultur, Identität, Geschichte und Spiritualität hat und zugleich mit der katholischen Weltkirche geeint ist.

Struktur 

Zur Struktur des Instrumentum laboris gab der Vatikan dementsprechend bekannt: Es besteht aus drei Teilen: 1. Lageberichte aus dem Land, 2. Ganzheitlicher Umweltschutz und 3. Kirche in Amazonien. In diesen Tagen soll das Arbeitspapier an die Bischöfe im Amazonasgebiet zur Einsicht gehen und später auch den Gläubigen bekannt gemacht werden. Zur Sondersynode unter dem Thema "Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie" (6.-27.Oktober) werden rund 100 Bischöfe aus Amazonien im Vatikan erwartet. Daneben sind vertretend für die Weltkirche Bischöfe aus anderen Regionen der Erde und - wie üblich - auch Vertreter der Orden und Experten.

Dass es dabei um die oben genannten zentralen Themen gehen wird, machten Hummes, Barreto und Turkson dieser Tage noch einmal klar. Auch, dass es um Belange der Indigenen, um Menschenrechte sowie um Theologie und Seelsorge gehen wird, klang an. "Viri probati" und mögliches Frauendiakonat sparten die Kardinäle jedoch eher aus. Zu letzterem äußerte sich hingegen der aus Österreich stammende Amazonas-Bischof Erwin Kräutler im Interview mit "Vatican News". Bei der Synode müsse die Wertschätzung der Arbeit von Frauen in der Kirche eine besondere Rolle spielen, dabei denke er "auch an die Diakonie". betonte der langjährige Prälat von Xingu (1981-2015). Nach Meinung Kräutlers müssen die Bischöfe bei der Synode "zu einer Lösung kommen - auch für die Frauen in der Kirche". Ein weiteres Thema also, das fern und nah zugleich ist.