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Abholzung am Amazonas um 60 Prozent gestiegen

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Brandrodung in Tucurui im brasilianischen Bundessstaat Pará. Foto (Archivbild): Adveniat/Jürgen Escher

Die Abholzungen im brasilianischen Amazonas-Wald sind im Juni um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das berichtet die Zeitung "O Globo" am Dienstag, 2. Juli 2019, unter Berufung auf das staatliche Weltraumforschungsinstitut Inpe, das den Amazonas-Wald per Satelliten überwacht. Ob es sich um einen langfristigen Anstieg handelt, sei noch unklar.

Insgesamt gingen demnach im Juni 762 Quadratkilometer Urwald verloren. Für das gesamte erste Halbjahr werden Verluste von 2.300 Quadratkilometern kalkuliert; das ist der höchste Wert seit 2016. Allerdings steigen die Abholzungszahlen in der nun beginnenden Trockenzeit immer stark an. Ein genaueres Bild über die Situation in den Amazonas-Wäldern dürfte zum Jahresende mit der Veröffentlichung der offiziellen Abholzungszahlen für Mitte 2018 bis Mitte 2019 erkennbar werden.

Bolsonaro will Schutzgebiete für wirtschaftliche Nutzung freigeben

Schon die Regierung von Brasiliens Ex-Präsident Michel Temer (2016-2018) hatte sich für eine Lockerung der Umweltauflagen stark gemacht. Damit sollte die Landwirtschaft gestärkt werden, die neue Weide- und Anbauflächen sucht. Der im Januar vereidigte neue Präsident Jair Messias Bolsonaro hat zudem versprochen, Umweltschutzgebiete sowie indigene Reservate für die wirtschaftliche Nutzung zu öffnen. Brasilianische und internationale Umweltschützer befürchten daher eine weitere Zunahme der Abholzung. Schon rund ein Fünftel des Amazonas-Waldes wurde in den vergangenen Jahrzehnten vernichtet. Umstritten ist unter Experten, ob das am Freitag unterzeichnete Handelsabkommen zwischen der EU und der südamerikanischen Ländergruppe Mercosur die Abholzungen verstärken oder eindämmen wird.

Um Frankreichs Zustimmung für das Abkommen zu erhalten, hatte Bolsonaro zugesagt, entgegen früherer Ankündigungen doch im Pariser Klimaabkommen zu bleiben. Darin hatte sich Brasilien verpflichtet, illegale Abholzungen bis 2030 auf null zu reduzieren. Bolsonaro hat aber seit seinem Amtsantritt die Kontrollbehörden weiter geschwächt.

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