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Zeitung „Zócalo“ berichtet nicht mehr über Drogenkrieg

Die Zeitung „Zócalo“, eine der führenden Zeitungen im nordmexikanischen Bundesstaat Coahuila, hat die Berichterstattung über den Drogenkrieg eingestellt. Presseberichte über das organisierte Verbrechen gefährde die mehr als 1.000 bei der Zeitung Beschäftigten und ihre Familien, heißt es. Beobachter werten den Schritt als weiteren Sieg der Drogenkartelle über die Pressefreiheit in Mexiko. Die Erklärung der Redaktion endet mit der Hoffnung, im Land möge baldmöglich Frieden einkehren.

Staat schützt Journalisten nicht

Am vergangenen Donnerstag, 7. März, war dem Chefredakteur von „Zócalo“, Francisco Juaristi, auf Bannern in mehreren Städten Coahuilas mit dem Tod gedroht worden, solle er in seiner Zeitung weiter „Lügen“ verbreiten. Den Text hatte das Drogenkartell „Los Zetas“ unterschrieben, das für seine Brutalität berüchtigt ist. Ein „Zócalo“-Journalist ist bereits ermordet worden, ein zweiter ist verschwunden. Kritiker prangern an, dass die mexikanische Staatsmacht nichts zum Schutz von Journalisten unternehme.

Selbstzensur aus Angst

In den vergangenen Wochen haben sich die Angriffe auf mexikanische Medien gehäuft. 2012 gab die Zeitung „El Mañana“ aus dem Bundesstaat Tamaulipas in einem fast gleich lautenden Editorial bekannt, dass die Berichterstattung über den Drogenkrieg eingestellt werde. Zuvor hatten Unbekannte das Redaktionsgebäude beschossen. Ebenfalls im vergangenen Jahr hat die internationale Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ Mexikos Regierung aufgefordert, ihre militärische Offensive gegen die Drogenkartelle zu beenden. Die Gewalteskalation gefährde die Arbeit unabhängiger Medien. Viele Journalisten schützten sich daher durch rigide Selbstzensur. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Artículo 19”, die sich für Meinungsfreiheit und Pluralismus einsetzt, kamen in der sechsjährigen Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Felipe Calderón 46 Journalisten ums Leben, acht verschwanden. (bs)