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ZDF zeigt Serie über den mysteriösen Tod des argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman 

Nisman - Tod eines Staatsanwalts" beschäftigt sich mit dem mysteriösen Tod von Alberto Nisman, der als Staatsanwalt die Ermittlungen zum Amia-Anschlag führte. ZDFinfo zeigt die Serie am 31. Januar und 1. Februar.

Ein Gedenkmarsch für den ermordeten argentinischen Staatsanwalt Alberto Nisman. Das ZDF zeigt eine eindringliche Serie über den Aufstieg und Tod des Sonderstaatsanwalts. Foto: jmalievi, Marcha por Nisman, CC BY-NC 4.0 

Schon als zu Beginn der ersten Folge die Musik einsetzt, dumpf und unheilvoll, wird dem Zuschauer bewusst: Hier ist etwas Schreckliches geschehen. Dann wird die Musik leiser, zu hören ist die Originalaufnahme eines Notrufs. Es ist Sara Garfunkel, die gerade ihren Sohn tot entdeckt hat - den bekannten argentinischen Sonderstaatsanwalt Alberto Nisman.

Emmy-Preisträger Justin Webster hat sich in seiner neuen Produktion mit den mysteriösen Todesumständen des berühmten Regierungskritikers auseinandergesetzt - und damit ein ganz neues Genre des dokumentarisch-seriellen Erzählens geschaffen: die Politthriller-Dokuserie. "Nisman - Tod eines Staatsanwalts" rekonstruiert in sechs Folgen minutiös die Umstände von Nismans Tod, der bis heute nicht gänzlich aufgeklärt wurde. Wie ein Puzzle setzt Webster die verschiedenen Elemente zusammen. Produziert wurde die Serie von dem deutschen Grimme-Preisträger Christian Beetz, Koproduzent ist das Streaming-Portal Netflix. ZDFinfo zeigt die Serie in deutscher Erstausstrahlung am 31. Januar sowie 1. Februar.

Alberto Nismans Suche nach der Wahrheit 

Die Handlung setzt lange vor dem Tod Nismans ein - am 18. Juli 1994. Am Tag des Bombenanschlags auf das Amia-Gebäude in Buenos Aires, eine Zentrale der Jüdischen Gemeinde in Argentinien. Bei dem Attentat wurden 85 Menschen getötet und weitere 300 verletzt. Der Attentäter konnte nach jahrelangen Ermittlungen 2005 zwar identifiziert werden, die Hintergründe der Tat wurden jedoch nie geklärt und beschäftigen die Jüdische Gemeinde in Argentinien bis heute.

Bereits 1997 wird Alberto Nisman zu den Amia-Ermittlungen hinzugezogen, arbeitet sich hoch und tritt bei dem Prozess später als einer der Staatsanwälte auf. Nisman wirft dem Iran vor, hinter dem Attentat zu stecken und beschuldigt kurz vor seinem Tod die amtierende argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die Aufklärung des Falles zu verhindern, um den mutmaßlichen iranischen Drahtziehern Straffreiheit zu gewährleisten. Er kündigt an, Beweise für diese Unterstellung zu haben.

Doch wenige Stunden vor Veröffentlichung seiner Ermittlungsergebnisse wird Nisman leblos in seinem Apartment gefunden - getötet mit einem Kopfschuss. Während viele sicher sind, dass die Regierung hinter seinem Tod steckt, weist diese die Schuld von sich und verdächtigt den argentinischen Geheimdienst.

Wurde Nisman ermordet? 

Suizid oder Mord - dieser Frage geht die Serie auf den Grund. Dazu greift Webster vor allem auf Originalaufnahmen zurück: Ausschnitte aus dem Amia-Prozess, aus TV-Sendungen, von Protestmärschen, aus TV-Interviews mit der damaligen Präsidentin Kirchner und von Stellungnahmen der Ermittlerin Viviana Fein.

Besonders eindringlich: die Aufnahmen der Polizei, die die Untersuchung von Nismans Wohnung dokumentieren. Flüchtige Bilder von der Tageszeitung, die ungelesen vor der Haustür liegt, der zurückgeschlagenen, zerknitterten Bettdecke, dem schmutzigen Geschirr in der Spüle. Sie verdeutlichen, wie plötzlich hier jemand aus dem Leben geschieden ist. Die Kamera nimmt den Zuschauer sogar mit in das Badezimmer, in dem die Leiche Nismans liegt. Eine dunkelrote, eingetrocknete Blutlache bedeckt den Boden, man sieht die bleichen, starren Beine Nismans und eine Waffe, die neben ihm liegt. Diese Aufnahmen schockieren, geben dem Zuschauer aber auch das Gefühl, als sei er selbst anwesend.

Reaktionen auf den Tod des Sonderstaatsanwalts

Zwischen diesen Originalaufnahmen werden Interviewsequenzen gezeigt, von Weggefährten und Freunden Nismans, Journalisten, Ermittlern und Politikern. Sie schildern ihre Reaktionen auf den Tod des Staatsanwalts und ihre persönlichen Erfahrungen mit ihm. Aus diesen Eindrücken kann sich der Zuschauer dann sein ganz persönliches Bild von Nisman machen - irgendwo zwischen höchst ambitioniert und eitel, zwischen Arbeitstier und Geltungssüchtigem.

Das Attribut der Thriller-Dokuserie beschreibt Websters Film bestens. Der Filmemacher schafft es, den Zuschauer von Beginn an mitfiebern zu lassen, obwohl der Ausgang der Ermittlungen bekannt ist: 2015 kommt ein Bundesrichter zu dem Urteil, dass Nisman ermordet worden ist.

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