Costa Rica |

Wirtschaftspolitik der Regierung Chinchilla gescheitert

Der costaricanische Colón hat sich fast zu einer „starken Währung” entwickelt. Zumindest ließe sich das aus seiner relativen „Stärke“ im Verhältnis zum Dollar schließen – wäre diese das einzige Kriterium. Was tatsächlich stattgefunden hat, das ist eine kräftige Aufwertung des Colón, die im Vergleich zum Jahresende 2005 real mehr als 30 Prozent beträgt, wie aus Statistiken der Zentralbank hervorgeht. Dies belastet die Rentabilität der costaricanischen Exporte, während sich zugleich Importe verbilligen. Unter dem Strich gleicht sich beides aber nicht aus.

Urlaub in Cancún billiger als in Costa Rica

Den größten Schaden tragen die exportorientierten Kleinunternehmen und der Tourismus. Obwohl sie eine gewisse Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt haben, die für sie spricht, konnten sie sich der Negativwirkung nicht entziehen. Weder Export noch Tourismus haben die Dynamik vergangener Jahre wiedererlangt. Letzterem macht zweifellos auch die nicht enden wollende weltweite Wirtschaftskrise zu schaffen. Wenn dann allerdings auch noch ein gegenüber dem Dollar überbewerteter Colón hinzukommt, dann wird es richtig schwierig. Es leiden auch jene Industrien Costa Ricas, deren Produkte mit Importen konkurrieren. Der Trend, mehr zu importieren, nimmt zu. Und für die Mittelschicht ist es inzwischen deutlich teurer, Urlaub im eigenen Land zu machen, als nach Cancún oder Panama zu reisen.

Defizit-Finanzierung durch Staatsanleihen

Der „Super-Colón“ hat zudem die Folge, dass Costa Rica immer mehr Kredite in Dollar aufnimmt. Dessen „Schwäche“ wirkt verführerisch. Aber es besteht ein großes Risiko: Was wenn der Colón irgendwann deutlich abwertet? In diesem Zusammenhang wird auch verständlich, warum Costa Ricas Exportunternehmen und der Tourismus verstört darauf reagieren, dass Staatsanleihen im Ausland platziert werden sollen, in einem Volumen von Milliarden von Dollar. Die riesige Menge an Dollar stärkt den Colón weiter, und die Unternehmen werden noch mehr belastet, als sie es ohnehin schon sind. Costa Ricas Finanzministerium dagegen spricht von einem notwendigen Schritt, um die Defizitprobleme in den Griff zu bekommen. Dies nehme Druck von den Zinsen, die stiegen aufgrund der Erfordernisse, das Defizit zu finanzieren. Was aber ist die Folge? Dadurch, dass die Regierung Staatanleihen platziert, stehen weniger Mittel für die Banken zur Verfügung: Die Zinsen steigen also.

Zentralbank greift nicht ein

Costa Ricas Regierung, vor allem Außenhandelsministerin Anabelle González, pocht immer wieder darauf, dass Export und Tourismus der Motor der Wirtschaft seien. In diesem Sinne werden scheinbar unaufhörlich neue Handelsverträge geschlossen. Aber vor allem Kleinunternehmen macht die Situation zu schaffen, zumal die Zentralbank absolut nichts unternimmt. Da die Inflation in Costa Rica weiterhin etwas über jener in den USA und in Europa liegt, wertet der Colón immer weiter auf. Doch damit nicht genug. Gegenüber den ständig steigenden Zinsen herrscht Gleichgültigkeit, die Zentralbank interveniert nicht und sieht zu. Das Argument lautet, ihre Hauptaufgabe bestehe darin, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Was angeblich nicht zu vereinbaren sei mit einer Einflussnahme auf den Wechselkurs des Colón oder Zinssenkungen. Ein merkwürdiges Argument. Im historischen Vergleich bleibt die Inflation in Costa Rica auf einem niedrigen Niveau: 2011 betrug sie 4,7 Prozent, gegenüber einem Schnitt für Mittelamerika von 6,9 Prozent.

Euro-Krise strahlt aus

Das Nichteingreifen beruht auf rein ideologischen Gründen und ist der dogmatischen neoliberalen Auffassung geschuldet. Im August 2011 hatte Costa Ricas Volkswirtschaft wieder angezogen, dies verpufft inzwischen wieder. Vor allem die Krise in Europa trifft ein Land wie unseres, das stark abhängt von Exporten, Tourismus und ausländischen Investitionen. Das neoliberale Modell ist krachend gescheitert.

Autor: Luis Paulino Vargas Solís

Quelle: www.adital.com

deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel