Haiti |

Wie und wann den Schulbetrieb wieder aufnehmen?

Das haitianische Erziehungsministerium hat eine Evaluierung der Schäden bei der schulischen Infrastruktur angekündigt sowie die der Möglichkeit, den Schulunterricht in Zelten abzuhalten. Die Regierung wolle alles daran setzen, den Schulbetrieb zum 1. März wieder aufzunehmen.

Das Kollektif der Privatschulen im Westen Haitis (COLEPO) unterstrich seine Bereitschaft, mit der Regierung zusammenarbeiten zu wollen, um die „beste Lösung“ zu finden, wie das Schuljahr gerettet werden könne. „Sogar in Ländern, in denen es Krieg gab, haben die Schulen funktioniert“, so Vertreter der COLEPO. Schulunterricht sei die Basis für Entwicklung, daher dürften die Schulen nicht geschlossen bleiben. Der Soziologe Daniel Suplice rief die Regierung dazu auf, außergewöhnliche Maßgaben zu ergreifen und finanzielle Mittel zu finden, um eine öffnung der Schulen voranzutreiben.

1,5 Millionen schulpflichtiger Kinder und Jugendliche können wegen des Erdbebens derzeit keine Schule besuchen. Eine Minderheit ist auf Initiative ihrer Eltern hin ins Ausland – vor allem in die Dominikanische Republik, nach Guadaloupe, nach Kanada und in die USA - geschickt worden, damit sie dort zur Schule gehen können. Doch es ist fraglich, ob sie dort ohne weiteres in die schulischen Systeme integriert werden können.

Kirchliche Einrichtungen bereiten Aufnahme vor

Schwierig gestaltet sich auch die schulische Aufnahme haitianischer Binnenmigranten. In vielen Ortschaften und Städten sind die lokalen Behörden mangels finanzieller und struktureller Mittel mit der Integrierung geflüchteter Hauptstädter überfordert. Pfarreien und Diözesen haben die Schulleiter katholischer Einrichtungen dennoch dazu aufgerufen, möglichst schnell die Neuankömmlinge aufzunehmen.

In einer Rundmail an alle für Schulen verantwortliche Priester, Ordensleute und Laien bat etwa P. Elie Pierre Géffrard, zuständig für das diözesane Büro für das katholische Erziehungswesen im Bistum Gonaïves, die Kinder, die aus Port-au-Prince in die Diözese kommen, an ihren Schulen aufzunehmen. „Ich darf sie daran erinnern, dass Tausende von Eltern mit ihren Kindern hier zu ihrem Herkunftsort zurückgekommen sind – mit leeren Händen und verängstigtem Herzen“, schreibt Géffrard. „Wir müssen weiterhin für die Überlebenden des Erdbebens solidarisch handeln, damit sie die Hoffnung nicht aufgeben und das Leben hier für sie weitergehen kann.“ Er bat die Schulleiter auch darum, die neuen Schülerzahlen zu melden, um sich künftig besser organisieren zu können. „Das ist wieder ein Beispiel dafür, dass man dabei ist, sich zu organisieren und zu strukturieren“, so Margit Wichelmann, Haiti-Referentin bei Adveniat. Auch in anderen Diözesen handelten kirchliche Einrichtungen schnell und versuchten die aus der Hauptstadt geflüchteten Menschen möglichst rasch zu integrieren.

Quelle: alterpresse/Adveniat