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Widerstand gegen Besprühung mit Pestiziden wächst

Das US-finanzierte Programm „Moscamed“ sollte vor 30 Jahren die schädliche Fruchtfliege ausrotten. Stattdessen leiden Menschen und Umwelt.

In Guatemala wächst der Widerstand von Campesinos und Umweltschützern gegen das sogenannte Programm „Moscamed“. Von tief fliegenden Flugzeugen wird hierbei zur Bekämpfung der Fruchtfliege Gift versprüht. Diese gilt als ein Schädling für Früchte. Doch das Gift ruft gleichzeitig bei Menschen Gesundheitsschäden hervor, wie zahlreiche Studien belegen. „Moscamed“ wird seit über drei Jahrzehnten von den USA finanziert. Den Protesten schließen sich auch Kaffebauern und Bienenzüchter an - letztere verlieren zum Teil ganze Bienenvölker durch das Gift. Zu den Reaktionen des menschlichen Körpers zählen Allergien und Bindehautentzündung.

Beamte bestreiten Gesundheitsgefährdung

Die USA tragen Verantwortung für die Besprühung Tausender von Quadratkilometern von Kaffeepflanzungen, Naturschutzgebieten und Wasserquellen – in bester Absicht, um die Fruchtfliegenplage auszurotten. Was eigentlich der Ernte zugute kommen sollte, schädigt aber längst den Menschen und die Umwelt. Dagegen formiert sich in Guatemala in zunehmendem Maße eine soziale Bewegung. Sie fordert ein Ende des Programms „Moscamed“ und generell der Besprühungen mit Gift aus der Luft. „Moscamed“-Beamte dagegen bestreiten eine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung. Sie verlassen hierfür auch ihre Amtsstuben und veranstalten zum Beispiel Gesundheitstage oder unterstützen die Bienenzüchter als besonders Betroffene.

500 Tropfen Gift pro Quadratmeter

Seit 1977 haben die USA „Moscamed“ mit mehr als 266 Millionen US-Dollar finanziert. Seit den ´80er Jahren wurden von Flugzeugen aus mehr als zehn Millionen Liter Pestizide über großen Flächen Guatemalas versprüht. Das lange Zeit verwendete Pestizid „Malathion“ wurde aus dem Verkehr gezogen, nachdem ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt festgestellt worden war.

Das aktuell verwendete Pestizid wird von Dow Agrosciences hergestellt. Wissenschaftler dieses US-Unternehmens weisen selbst darauf hin, dass „Spinosad“ für Bienen und andere nützliche Insekten hochgiftig ist. Sie empfehlen daher, Vorkehrungen zu treffen - so sollten städtische Gegenden ebenso wie Wasserflächen nicht besprüht werden. Üblicherweise werden die gleichen Flächen fünf- bis siebenmal überflogen, wobei jeder Quadratmeter etwa 500 Tropfen Gift abbekommt.

USA wollen sich schützen

In Kalifornien darf „Spinosad“ nur unter Auflagen verwendet werden. Anwohner und Landarbeiter sollen sich mindestens vier Stunden nach der Besprühung von den Flächen fernhalten. In Guatemala gibt es weder Warnungen noch Vorkehrungen zum Schutz der Menschen. In Costa Rica und anderen mittelamerikanischen Staaten wird die Fruchtfliege nicht mit „Spinosad“ bekämpft. Guatemala wurde von den USA eigens ausgesucht, um zu verhindern, dass die Fruchtfliege Richtung Norden wandert und in 3.500 Kilometer Entfernung Schaden anrichtet.

Als das Programm „Moscamed“ gestartet wurde, hieß es, die Ausrottung der Fruchtfliege sei eine Sache von vier Jahren. Längst ist nur noch die Rede davon, den Schädling mit Besprühungen in Schach zu halten. Einen Zeitplan gibt es nicht mehr. Was die Sorgen der USA betrifft, so hat ein renommierter amerikanischer Insektenforscher herausgefunden, dass die Fruchtfliege auf einem Drittel der Fläche Kaliforniens bereits anzutreffen ist – und das seit 1975.

In anderen Ländern werden üblicherweise erst einmal mögliche Schäden für Mensch und Umwelt ermittelt. In Guatemala nicht. Zum einen bedeutet „Moscamed“ für viele ein Einkommen, zum anderen hat die US-Botschaft traditionell erheblichen Einfluss auf die Politik Guatemalas. Zahlreiche Wissenschaftler halten die massive Besprühung Tausender Quadratkilometer mit Pestiziden nicht für notwendig. Vor allem aber sei sie nicht sicher.

Autor: Mateo Creelman, in: Noticias Aliadas, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel