Bolivien |

Wasser als Druckmittel

Bewohner der Kleinstadt San Miguel de Velasco im bolivianischen Tiefland alarmierten am Dienstag, das lokale Bürgerkomitee - Kommunalpolitiker und Angestellte der Wasserkooperative - verwehre ihnen seit drei Tagen den Zugang zu Trinkwasser. Dies sei eine Strafmaßnahme gegen die sozialen und indigenen Verbände vor Ort, die nicht an einer vom regierungskritischen Bürgerkomitee veranstalteten Versammlung teilgenommen hätten, so eine Erklärung der Anwohner am Dienstag gegenüber Radio Erbol. »Wir sind sehr verärgert und besorgt über die Entscheidung, uns drei Tage lang das Wasser abzudrehen«, beklagt eine Bewohnerin die »politische Instrumentalisierung« des Trinkwassers.

Wenige Tage zuvor hatte Ramiro Galindo, Generalsekretär der »Koordinierungsstelle Land und Territorium der ethnischen Völker von Santa Cruz« (CPESC) über die »Ernährungskrise« auf dem Land geklagt. Erst Überschwemmungen und dann Dürre hätten in den abgelegenen Tieflandregionen zu einer akuten Unterversorgung mit Zucker, Reis und Speiseöl geführt. Die Preise der Lebensmittel, die in den Gemeinden von Händlern angeboten würden, seien »unerreichbar«.

Die Departamento-Verwaltung im oppositionell regierten Tiefland von Santa Cruz, die nach der Nationalisierung der Gas- und ölindustrie 2006 und durch eine Neuverteilung der dadurch gestiegenen Steuereinnahmen über ein Siebenfaches an Budget verfügt, müsse endlich handeln. Die Präfekturen sollten die »kritische« Ernährungssituation auf dem Land »zur Priorität« erklären, fordert Galindo auf Radio Erbol. »Am meisten leiden die Familien in den indigenen Bauern-Gemeinden, die von Tag zu Tag überleben und Einkommen haben, von denen man sich nicht richtig kleiden und nicht richtig ernähren kann«. In der Vergangenheit war von Zentralregierung und diversen NRO beklagt worden, dass die Gelder aus der Gas- und ölsteuer (IDH) von den Präfekturen nur mangelhaft in Entwicklung und soziale Programme investiert würden. (bb)