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Wachsende Kritik an Praxis der Landegenehmigungen

Hilfsorganisationen beschweren sich zunehmend über massive Schwierigkeiten, in Port-au-Prince landen zu können. Damit verzögere sich der Transport von dringend benötigter Nothilfe-Ausrüstung in die Krisenregion. "Medizinischen Gütern muss Priorität eingeräumt werden", forderte Ärzte ohne Grenzen am Mittwoch in Berlin.
Ein gemeinsamer Lufttransport von Caritas International und Diakonie Katastrophenhilfe erreichte am Mittwochmorgen gegen sechs Uhr Ortszeit Port-au-Prince. Die Maschine mit tonnenweise Hilfsgütern unter anderem zur medizinischen Grundversorgung hatte seit Wochenbeginn in Ostende auf eine Zusage des Flughafens gewartet, die mehrfach verschoben wurde, wie der Koordinator der Caritas-Katastrophenhilfe, Gernot Ritthaler, auf Anfrage sagte. Nach der Erteilung der Landeerlaubnis für den frühen Morgen um drei Uhr sei das Flugzeug gestartet, dann aber nach erneuter Verzögerung in Kanada zwischengelandet und betankt worden.
Ein Frachtflugzeug von "Ärzte ohne Grenzen" wurde seit Sonntagnacht drei Mal von der Landung auf dem Flughafen der Hauptstadt abgehalten. Verantwortlich sei die nun tätige Flughafenadministration. "Patienten sterben mangels dringend benötigter medizinischer Materialien", so das Hilfswerk. Für lebensrettende Amputationen hätten Mitarbeiter vor Ort bereits auf dem Markt eine Säge kaufen müssen.
Die medizinische Koordinatorin vor Ort, Rosa Crestani, verglich die Arbeit mit den Bedingungen in einem Kriegsgebiet. "Wir haben kein Morphin mehr, um unseren Patienten den Schmerz zu nehmen", erklärte sie. Seit dem 14. Januar wurden laut Ärzte ohne Grenzen fünf Flugzeuge der Organisation mit insgesamt 85 Tonnen medizinischen Hilfsgütern vom ursprünglichen Ziel Port-au-Prince in die Dominikanische Republik umgeleitet.
Auch ein von Oxfam gechartertes Flugzeug landete am Samstag lediglich in Santo Domingo. Die zehn Tonnen Ausrüstung für Wasserversorgung und Hygieneeinrichtungen seien inzwischen in Port-au-Prince angekommen, erklärte das Hilfswerk am Mittwoch.
Zahlreiche weitere Initiativen oder Hilfsorganisationen nutzen den Weg über Santo Domingo. Dort landete beispielsweise auch am Montag eine von "Ein Herz für Kinder" genutzte Maschine; die "Bild"-Zeitung, die über den Transport detailliert berichtete, sprach davon, die Maschine sei auf der "Isla Hispaniola" gelandet, die Hilfsgüter kämen bald zu den Notleidenden.

Quelle: kna