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Vier Tote bei Protesten gegen Kupferbergbau

Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen bei Protesten gegen Aktivitäten des Bergbaukonzerns Xstrata in der Provinz Espinar (Department Cusco) hat die Regierung für diese Provinz am Montag für 30 Tage den Notstand ausgerufen.

Trotz dieses Schrittes kam es gestern erneut zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Protestierenden, bei denen es weitere zwei Tote und sieben Verletzte gegeben habe, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Damit steigt die Zahl der Todesopfer bei den Bergbauprotesten auf vier Personen an. Mehr als 60 Menschen, darunter auch viele Sicherheitskräfte, sind bei den Auseinandersetzungen verletzt worden. Nach Presseberichten ist es unter anderem bei Versuchen der Demonstranten, Camps der Bergbaufirma zu besetzen, wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.

Forderung nach besserem Umweltschutz

Die Proteste hatten bereits am 21. Mai mit der Ausrufung eines unbefristeten Streiks für die Provinz Espinar begonnen. Sie richten sich vor allem gegen die Kupfermine Tintaya. Da die Mine die umliegenden Flüsse verseuche, fordern lokale Behörden eine Umweltstudie sowie eine Erhöhung der freiwilligen Abgaben des Betreibers Xstrata an die Provinz von drei auf 30 Prozent des Gewinns. Zu dem wollen sie die Gründung einer Regierungskommission erreichen, die sich vor Ort ein Bild der Lage machen soll, so der Provinzbürgermeister, Óscar Mollohuanca, gegenüber der peruanischen Zeitung „La República“. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz hat den Forderungen von Demonstranten und Lokalregierung in einer Presseerklärung jedoch bereits eine Absage erteilt und zudem versichert, die Umweltgesetze einzuhalten. Xstrata sei aber zu Gesprächen bereit, so der Regionaldirektor des Unternehmens, Luis Rivera Ruiz, gegenüber „Biznews".

Provinzbürgermeister Mollohuanca unterstrich, die Demonstranten hätten keinerlei wirtschaftlichen Motive für ihren Protest. Er verurteilte die Härte des Polizeieinsatzes scharf und denunzierte deren Vorgehen als „Massaker“, da die Sicherheitskräfte aus nächster Nähe auf die Protestierenden geschossen hätten. Mollohuanca widersprach offiziellen Angaben, die Demonstranten seien bewaffnet gewesen. „Wir haben uns lediglich mit Steinen gegen Angriffe verteidigt“, so der Provinzbürgermeister, der in der Verhängung des Ausnahmezustands keine Lösung des Problems sieht.

Aufruf zum Dialog

Perus Innenminister Wilver Calle bezeichnete die Protestierenden als „Extremisten, die staatliche Organe angreifen“. Die Staatsanwaltschaft hat gegen mehr als 50 Personen Anzeige erstattet, darunter auch gegen Mollohuanca. René Concha Lezama, Vizepräsident der Regionalregierung in Cusco erklärte, es gehe jetzt darum, wieder zum Dialog zurückzufinden und bezeichnete die Forderung nach Bildung einer Kommission als „sehr hilfreich“.

Die Mine Tintaya Antapaccay liegt auf 4.100 Meter Höhe in den Anden und wird seit 2006 von Xstrata Copper betrieben. Sie produzierte im Jahr 2011 rund 90.000 Tonnen Kupfer. (bh)