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Uruguay wird sich bei Diktaturopfern entschuldigen

Der uruguayische Staat wird sich öffentlich bei seinen Bürgern für Verbrechen während der Diktaturzeit von 1975 bis 1985 entschuldigen. Dies gab Außenminister Luis Almagro Anfang der Woche bekannt. Anvisiert ist ein Staatsakt im März, das Datum stehe aber noch nicht fest, so der Minister.

Dieser Schritt ist Bestandteil einer ganzen Reihe von Wiedergutmachungsmaßnahmen, die der Interamerikanische Gerichtshof (CoIDH) im Jahr 2010 dem Staat Uruguay in einem Urteil zum „Fall Gelman“ auferlegt hatte. Amalgro erklärte gegenüber der Presse, man respektiere das Urteil des CoIDH. Der Staat werde sich „bei allen Verhafteten und gewaltsam Verschwundenen im Zusammenhang mit Macarena und Juan Gelman entschuldigen", erklärte der Außenminister.

Fall Gelman

Im „Fall Gelman“ geht es um die ermordeten, gewaltsam verschwundenen und illegal adoptierten Angehörigen des argentinischen Lyrikers Juan Gelman. Dieser floh vor der Militärdiktatur in Argentinien ins Exil, sein Sohn und seine Tochter wurden 1976 jedoch von der Geheimpolizei umgebracht. Die damals 19-jährige schwangere Schwiegertochter des Dichters wurde nach Uruguay verschleppt und gebar vor ihrem Tod noch ein Mädchen. Erst im Jahr 2000 konnten uruguayische Behörden dazu bewegt werden, das Schicksal der Enkelin Macarena aufzuklären. Diese war von einem Armeeoffizier adoptiert worden. „Meine Enkelin und ich“, zitiert Página12 den argentinischen Lyriker, „kämpfen nicht gegen die Regierung von Uruguay sondern gegen den Staat, denn der hat für die Vertuschung dieses Verbrechens gesorgt.“

Gelman hatte vor dem CoIDH auch gegen das Amnestiegesetz in Uruguay geklagt, weil dadurch kein Ermittlungsverfahren im Falle seiner gewaltsam verschwundenen und ermordeten Tochter sowie der illegalen Adoption seiner Enkelin aufgenommen werden konnte. Der Gerichtshof forderte in seinem Urteil vom März 2011, dass das Amnestiegesetz die Verfolgung von Menschenrechtsverbrechen nicht behindern dürfe.

Schicksal von 200 Menschen bis heute unklar

Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass im Rahmen der „Operation Condor“ in den 70er und 80er Jahren, einer Vereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen den damaligen Militärdiktaturen in Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile Paraguay, Uruguay sowie den USA, etwa 200 uruguayische Staatsbürger gewaltsam verschwunden sind. Etwa 40.000 Menschen wurden während der Militärdiktatur in Uruguay inhaftiert und gefoltert. (bh)