Kolumbien |

UNO fordert "€žtransformatorische Landreform"€?

Kolumbien muss seine ländlichen Besitzverhältnisse grundlegend ändern, um Armut und Ungleichheit zu verringern. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP mit dem Titel "Das ländliche Kolumbien. Gründe zur Hoffnung". Das Papier wird heute in Bogotá an Präsident Santos übergeben.

Die hohe Landkonzentration, niedrige Lebensstandards, der seit mehr als fünf Jahrzehnten andauernde bewaffnete Konflikt und daraus resultierende Landvertreibungen charakterisieren demnach die Situation auf dem Land.

Ungleiche Besitzverhältnisse

„Die gesamte Struktur des Landbesitzes und der Landwirtschaft behindert und erschwert die menschliche Entwicklung des Landes“, so das UNDP. Die UN-Behörde fordert daher "transformatorische Landreformen", die zu "einer Veränderung der Besitzverhältnisse an Boden" führen. Laut Bericht ist knapp ein Prozent der Bevölkerung im Besitz von 52 Prozent der großen Landgüter. Damit gehört Kolumbien zu den Staaten mit den prekärsten Besitzstrukturen in der Region. Im Landesinneren leben 64 Prozent der Bauern in Armut. Zur Ungleichheit trage wesentlich bei, dass viele Flächen nicht für den Ackerbau genutzt werden. Nur knapp 5 Mio. Hektar der möglichen Anbaufläche werden derzeit genutzt. Das entspricht lediglich 22 Prozent der insgesamt möglichen Anbaufläche.

Niedriger Entwicklungsindex

Die Viehzucht nimmt 31 Mio. Hektar Land ein, die allerdings Großgrundbesitzern gehören. Die UNDP-Studie bewertet diese Verteilungsstruktur deshalb als schädlich für die Landwirtschaft. Hinzu kommt, dass rund 12 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche illegal in Besitz genommen worden sind. Das sei ein besonders ernstes Problem, so die UNDP, da es sich bei diesen Territorien meist um Minifundien und Landbesitz von Kleinbauern handelt, die weniger als 20 Hektar Land bewirtschafteten.

Folge dieser Situation sei ein geringer Entwicklungsindex von 0,83 und ein hoher Gini-Koeffizient von 0,85. Der Gini-Koeffizient gibt die Ungleichheit an und kann höchstens bei eins liegen.

Der UNDP-Bericht erscheint vier Monate nachdem Präsident Santos ein Gesetz zur Entschädigung von Bürgerkriegsopfern verabschiedet hatte, das auch die Landrückgabe an Kleinbauern vorsieht. (bh)

Quelle: Adital