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"Universalkirche" plant "Salomontempel"

Sao Paulo. Die brasilianische "Universalkirche vom Reich Gottes" ("Igreja Universal do Reino de Deus") will offenbar ein Gotteshaus von gigantischen Ausmaßen errichten lassen. Wie brasilianische Internetportale am Dienstag berichteten, soll der 10.000 Menschen Platz bietende Nachbau des "Salomontempels" in den kommenden vier Jahren in Brasiliens größter Stadt Sao Paulo errichtet werden. Wieviel Geld die umstrittene Pfingstkirche in den Megabau investiert, wurde bislang nicht bekannt.

Der 126 Meter lange, 104 Meter breite und bis zu 55 Meter hohe Bau bietet den Angaben zufolge unter anderem Platz für 36 Bibelschulen, in denen 1.300 Kinder unterrichtet werden können, und verfügt über eine Nutzfläche von etwa 70.000 Quadratmetern. Die Innenwände sollen mit aus Israel importierten Steinen verziert werden, dem gleichen Modell wie die Steine des Originaltempels, wie Gründer Edir Macedo verkündete. Der Komplex, der noch über Aufnahmestudios für Radio und TV sowie ein unterirdisches Parkhaus verfügen soll, wird einen ganzen Straßenblock im Stadtteil Bras einnehmen.

Das Geld der "Universalkirche" stammt aus den Zahlungen von Gläubigen, dem sogenannten Kirchenzehnten. Grundsätzlich genießen Kirchen in Brasilien Steuerfreiheit; sie müssen ihre Einnahmen jedoch innerhalb des Landes für Aktivitäten ihrer Glaubensgemeinschaft verwenden. Seit einem Jahr ermitteln die Staatsanwaltschaften in New York und Sao Paulo jedoch wegen illegaler Devisentransaktionen gegen die "Universalkirche".

Die Verantwortlichen sollen Gelder illegal in Steueroasen transferiert und für nicht satzungsgemäße Zwecke verwendet haben. Erst in der vergangenen Woche war die Schatzmeisterin der "Universalkirche", Regina da Silva, in den USA wegen Kreditbetruges verhaftet worden. Sie soll für ihre Kirche Kredite in Höhe von 22,1 Millionen US-Dollar erschlichen haben.

Die 1977 gegründete Universalkirche gehört mit ihren mehreren Millionen Anhängern zu den größten Pfingstkirchen. Auf der Internetseite der "Universalkirche" gibt es derzeit Links zu Niederlassungen in mehr als 70 Ländern; nach eigenen Angaben ist sie in rund 170 Ländern aktiv. Ihr Gründer Edir Macedo wurde in den 1990er Jahren auch schon wegen Scharlatanerie und Wunderheilerei angeklagt.

Quelle: kna