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UN: Lage für Menschenrechtsverteidiger in Kolumbien dramatisch

Trotz des Friedensprozesses hat sich die Lage für Menschenrechtsverteidiger in Kolumbien nicht verbessert. Im Gegenteil: Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen spricht von einer dramatischen Lage.

Padre Kolwitz besucht Flüchtlinge in Kolumbien

Padre Uli Kolwitz zu Besuch im Flüchtlingslager Villa España. (Foto: Jürgen Escher/Adveniat)

Gut zwei Wochen war der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über die Lage von Menschenrechtsverteidigern durch Kolumbien gereist, nun fällte Michael Forst ein verheerendes Urteil über die Lage in dem südamerikanischen Land. "Als Sonderbeauftragter habe ich viele Länder besucht, aber die Situation, die ich in Kolumbien sehe, ist wirklich dramatisch", sagte Forst in einem Interview der Tageszeitung "El Tiempo" (Montagabend Ortszeit, Onlineausgabe). Der ehemalige Generalsekretär der französischen nationalen Menschenrechtsinstitution ist seit Juni 2014 UN-Sonderberichterstatter. Viele Menschenrechtsverteidiger lebten angesichts ständiger Attacken zwischen Angst und Horror, so Forst weiter. Zwar sei die allgemeine Mordrate in Kolumbien in den vergangenen Jahren um 40 Prozent gesunken, die Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger sei dagegen angestiegen. Forst erklärte, sein Besuch in dem südamerikanischen Land sei der erste seit über zehn Jahren und erfolge auf Einladung des konservativen kolumbianischen Präsidenten Ivan Duque. Mit ihm sei an diesem Dienstag ein Treffen angesetzt. Er erkenne in der aktuellen Regierung den Willen für die Sicherheit der Menschenrechtsverteidiger zu arbeiten, erklärte der UN-Sonderberichterstatter.

Auf der anderen Seite habe er allerdings besorgniserregende Hinweise von Menschenrechtsverteidigern erhalten, die über die Verwicklung internationaler Unternehmen, insbesondere aus dem Bergbau, in die Attacke berichten. Forst kündigte an, den betreffenden Firmen, die er nicht namentlich nannte, in offiziellen Schreiben auf die Vorfälle und Anschuldigungen direkt anzusprechen. Die Unternehmen hätten dann 60 Tage Zeit sich zu den Anschuldigungen zu äußern. Danach werde es einen öffentlich zugänglichen Bericht des Sonderberichterstatters geben. Der neue kolumbianische Präsident hatte zu Beginn seiner Amtszeit ein stärkeres Engagement seiner Regierung gegen die Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger angekündigt. Die Menschenrechtsorganisation "Indepaz" berichtete im November, seit Jahresbeginn seien 226 soziale Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger in 112 Städten und Gemeinden in Kolumbien getötet worden. Forst erklärte, ein Teil der Gewalt stehe noch in Zusammenhang mit den Nachwirkungen des bewaffneten Konfliktes, zugleich zeige der kolumbianische Staat aber in einigen betroffenen Regionen des Landes überhaupt keine Präsenz.

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