Argentinien |

Umstrittener Großgrundbesitz in Jujuy enteignet

Angesichts starker Proteste gegen die Vertreibung von Landlosen und der ausufernden Gewalt bei der Räumung eines Landguts in Jujuy in der vergangenen Woche, hat die Abgeordnetenkammer des Departments San Martín die Rechtsgrundlage für die Räumung des Geländes außer Kraft gesetzt. Damit wurden die umstrittenen 40 Hektar Großgrundbesitz enteignet, berichten argentinische Medien.

Vier Tote bei gewaltsamer Räumung

Bei dem mehrstündigen Räumungseinsatz gegen 700 Landbesetzerfamilien kamen am 28. Juli drei Landbesetzer und ein Polizist ums Leben. Mindestens 53 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Mehrere Personen befinden sich noch in Haft. Die Familien hatten sich auf 40 Hektar des insgesamt 157.556 Hektar großen Landguts „Ledesma“ niedergelassen. Von dem Großgrundbesitz werden derzeit jedoch nur 38.000 Hektar genutzt, so die Nachrichtenagentur Adital. Daher wurde bereits seit fünf Jahren über eine Enteignung verhandelt.

Rund 350 Polizisten waren am vergangenen Donnerstag mit Tränengas, Schlagstöcken und Gummi-Geschossen auf das besetzte Grundstück vorgedrungen. Nur wenige Stunden nach dem Polizeieinsatz hätten Landbesetzer, Regierungsvertreter und Unternehmer zu einem geplanten Verhandlungsgespräch zusammenkommen sollen.

Untersuchungskommission gebildet

Die sofortige Räumung des Geländes war kurz vor dem Einsatz von einem Distrikt-Gericht angeordnet worden. Das Landgut wird vom Zucker-Konsortium „Ledesma S.A. I.I“ beansprucht, das sich im Besitz der Familie Balquier befindet. Ledesma kontrolliert den gesamten Landbesitz rund um das Stadtzentrum.

Das Gebiet soll nun zum Bau von Wohnungen genutzt werden. Zudem wurde eine Untersuchungskommission gebildet, die den gewaltsamen Polizeieinsatz untersuchen soll.

Soziale Organisationen hatten am 2. August in Buenos Aires gegen die Gewalt gegen Landbesetzer demonstriert. Allein im vergangenen Jahr seien 13 Aktivisten ermordet worden, heißt es in einem gemeinsamen Kommunique der Organisationen.

Bischof von Jujuy fordert Achtung der Menschenrechte

Der linke Gouverneur der Provinz, Walter Barrionuevo (FPV), hatte die Räumung verurteilt und als Wahlkampfmanöver kritisiert. Scharfe Kritik kam auch vom Bischof von Jujuy, Marcelino Palenti. Das Recht auf Leben "steht über jedem Interessensverband, jeder Partei oder politischen Meinung", mahnte der Bischof. Er rief zur Mäßigung auf und forderte Konfliktlösungen, die für alle Beteiligten annehmbar sind.

Unterdessen berichtet die argentinische Zeitung „La Nacion“ unter Berufung auf Polizeiangaben, dass es am 2. August in der Provinz acht neue Landbesetzungen gegeben habe. (bh)