Haiti |

überlegungen zur Unterstützung aus Europa

Am 21. Januar trafen sich Vertreter von Caritas nationale, der Commission Justice et Paix nationale, CRS, GADRU, PRESTEN und PADED, um über die Vorgehensweise nach dem Erdbeben in Haiti zu beraten. Das Ergebnis dieses Zusammentreffens können Sie hier in der deutschen Übersetzung lesen. Das französische Original finden Sie unter dem Text.

"Zunächst muss man in der derzeitigen Situation Abstand von vorgefertigten Denkmustern nehmen, neue Herangehensweisen finden, eingefahrene Wege der Zusammenarbeit verlassen. Unsere Organisationen sind vor allem verantwortlich für drei Gruppen: für die eigenen Mitarbeiter, für die Nachbarschaft, für die Menschen, für die die Organisationen aktiv waren.

Es gibt drei Ebenen der Hilfe – die sich auf die Zeit und den Ort beziehen: es gibt die rasche, unmittelbare Katastrophenhilfe, bei der es um das Überleben der Menschen geht; es gibt den mittelfristigen Wiederaufbau sowie den Wiederaufbau der Strukturen der Hilfsorganisationen; es gibt die Unterstützung der Projekte der Organisationen, die gerade jetzt besonders wichtig sind.

Was die unmittelbare Nothilfe anbelangt, ist Caritas Haiti die am besten aufgestellte Institution. Es hat kein Sinn, Parallelstrukturen aufzubauen. Vielmehr gilt es, Caritas zuzuarbeiten.Auch sollte Caritas über Regierungsinitiativen informiert werden, um die Hilfen noch effektiver auszurichten.

Was die Lebensmittelversorgung anbelangt, ist zu überlegen, ob nicht doch Geld- statt Lebensmittelhilfen für die Bevölkerung sinnvoll sind, um so auch Eigeninitiativen zu stärken und den lokalen Markt zu stützen.

Die Wasserversorgung dürfte kein Problem darstellen, da es in der Ebene über Port-au-Prince genügend Wasser gibt. Wasseraufbereitungsanlagen haben damit auch weniger Priorität. Es muss allerdings der Wassertransport sichergestellt werden.

Ein weiterer Bereich der Nothilfe ist auch die Unterstützung der Regionen, die Flüchtlinge aus Port-au-Prince aufnehmen. Viele der Flüchtlinge werden nicht mehr in die Hauptstadt zurückkehren, da sie dort alles verloren haben. Man muss daher die aufnehmenden Familien begleiten, man muss die Migranten in der Eingliederung begleiten. Auch ist hinsichtlich der Aufbauprojekte zu berücksichtigen, dass die Regenzeit in zwei Monaten beginnen wird.

Die Begleitung der Kinder und Jugendlichen ist von besonderer Wichtigkeit. Die Frage der Schulen muss schnell geklärt werden: Wie können die Kinder in die Schulen auf dem Land integriert werden? Welche Lösung gibt es für die Kinder in Port-au-Prince? Wie gelingt es, dass die Kinder nicht sich selbst überlassen bleiben?

Der Wiederaufbau muss vorbereitet werden: Wo soll die Hauptstadt (wieder-)aufgebaut werden? Gibt es Bauauflagen? Wie kann man erdbebensicher bauen? Hier könnten die ausländischen Partner um die Finanzierung einer entsprechenden Studie gebeten werden.

Die Institutionen müssen größtmögliche Kooperation mit der Regierung und dessen Institutionen suchen, damit die Nothilfe in einem möglichst großen, gemeinschaftlichen Rahmen geschieht; die Erfahrungen der NGOs können die Vorschläge der Regierung bereichern; auch sollten die kirchlichen Institutionen beim Wiederaufbau mit eingebunden werden.

Der informelle Sektor sollte durch finanzielle Hilfen (Mikrokredite) gestärkt werden.
Auch der Bereich der Kommunikation muss gestärkt werden, dazu sind Vorschläge und Empfehlungen zu formulieren; Caritas und CRS sind in diesem Bereich schon aktiv, zu bemerken ist, dass Radio Soleil erst durch das Beben einerseits, dann durch Plünderungen vollständig zerstört worden ist."

P. Chadic, Directeur Caritas nationale
P. Patrick Aris, Caritas nationale
P. Glandas Toussaint, directeur de la Caritas de Port au Prince
P. Jan Hanssens, cicm, directeur Justice et Paix nationale
P. Jean-Mary Louis, GADRU, directeur général de GADRU.
P. Wilnès Tilus, ex- directeur de la caritas nationale.
M. Raymond Mondesir, Coordonnateur de Presten et membre du comité de PADED
M. l’administrateur de la Caritas nationale.
Mme l’assistante du P. Chadic.