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Ganz Bolivien fiebert den Aussagen von Ex-Diktator Garcia Meza und dessen Innenminister Luis Arce Gómez über den Verbleib des 1980 ermordeten Gewerkschaftsführers und Vorsitzenden der sozialistischen Partei P-1, Marcelo Quiroga Santa Cruz entgegen. Ein für Donnerstag anberaumter Gerichtstermin war von der Staatsanwaltschaft »Prozessbelastung« überraschend kurzfristig auf kommende Woche verlegt worden. »Nächsten Mittwoch oder Donnerstag wird die Anhörung stattfinden«, versicherte Staatsanwalt Isabelino Gómez gestern gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur ABI.

Es geht um die Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel nationaler Geschichte. Beim blutigen Putsch des »Narko-Diktators« am 17. Juli 1980 waren dutzende Oppositionelle von paramilitärischen Killerkommandos ermordet worden, darunter Ex-Energieminister Quiroga, der 1969 die US-amerikanische Erdölfirma Gulf Oil verstaatlicht hatte.

Bei der gewaltsamen Erstürmung der COB-Gewerkschaftszentrale in La Paz vor 40 Jahren hatten Augenzeugen gesehen, wie dem Politiker in den Kopf geschossen worden war. Über den Verbleib seiner Überreste, die in einem Militärflugzeug abtransportiert wurden, wird bis heute gerätselt. Auch der Verbleib der oppositionellen Aktivisten Renato Ticona und Juan Carlos Flores ist ungeklärt.


Innenminister Gómez, dessen Sicherheitsberater der deutsche Altnazi und Kriegsverbrecher Klaus Barbie war, hatte letzte Woche angedeutet, dass sich das Grab des Verschwundenen auf einer Hazienda vom deutschstämmigen Ex-Diktator Hugo Banzer (1970 - 1976) befinden könnte. Gegen ihn hatte Quiroga ein Verfahren wegen Korruption eingeleitet. Heute ist ein Anti-Korruptions-Gesetz nach dem Ermordeten benannt. Garcia Meza und »Kokain-Minister« Arce Gómez sitzen nach ihrer Auslieferung aus den USA lebenslänglich im Hochsicherheitsgefängnis von Chonchocoro bei La Paz. (bb)