Argentinien |

Streit um Genproben von »Verschwundenen«

Die Suche nach der Identität der wahren Eltern der Geschwister Marcela und Felipe Noble Herrera sei »nicht abgeschlossen«, meint die Aktivistin Estela de Carlotto. Die Präsidentin der argentinischen Menschenrechtsorganisation »Abuelas de la Plaza de Mayo« kritisierte am Montag gegenüber der Presse die durchgeführten Gentests. Diese sollten Aufschluss über die leiblichen Eltern der adoptierten Kinder von Ernestina Herrera de Noble geben. In Argentinien beschäftigt man sich mit der Frage, ob die Kinder möglicherweise während der Militärzeit „verschwundenen“ Eltern abgenommen wurden.

Herrera de Noble, die Erbin des Medienmonopols „Grupo Clarín“, stand zu Zeiten der Militärdiktatur dem Regime nah. Erst nach jahrelangem Rechtsstreit hatte sie sich im Juni zur Herausgabe von Blutproben bereit erklärt. Ein erster Abgleich mit Teilen der »Nationalen Gen-Datenbank« (BNDG), in der Genproben von Frauen und Männern gespeichert sind, die während der Militärdiktaturen von 1976 bis 1983 »verschwanden«, hatte Ende letzter Woche keine Verwandtschaft festgestellt.

Von 55 getesteten Proben seien »52 negativ, bei drei aber konnten keine eindeutigen Ergebnisse festgestellt werden«, so de Carlotto. »Ein negatives Ergebnis gibt es also nicht«. Die mehrfach ausgezeichnete Menschenrechtlerin fordert »neue Abgleiche«. Bei den Tests waren nur Proben von Eltern berücksichtigt worden, die ihre Kinder in Gefangenschaft zwischen 1975 und 1976 bekommen hatten. Die Daten von später hinzugefügten 66 »Verschwundenen« seien nicht berücksichtigt worden, kritisieren die Abuelas. (bb)