Bolivien |

Spekulation mit Zucker

Auch in Bolivien machen sich die weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise spürbar bemerkbar. Die Hausse sei laut Zeitungsberichten nicht nur eine soziale »Zeitbombe«, sie heize neben den sozialen Auswirkungen wie Hunger auch das Geschäft mit verknappter Nahrung an. Gonzalo Flores, Regionalvertreter der »Organisation für Landwirtschaft und Ernährung« (FAO) der Vereinten Nationen erklärte, das Andenland sei wie schon zwischen 2008 und 2009 von internationalen Konjunkturen und durch Naturkatastrophen betroffen.

Versuche der Regierung, die explodierenden Preise durch staatliche Subventionen und Not-Aufkäufe zu deckeln, werden derweil von lokalen Händlern ausgenutzt, berichten bolivianische Medien. So würde direkt neben der staatlichen Lebensmittelkette »Unternehmen für die Förderung der Lebensmittelproduktion« (EMAPA) in der Andenmetropole und Armenstadt Al Alto subventionierter Zucker zu Marktpreisen verkauft, schreibt die Tageszeitung »La Razón«. In den staatlichen Geschäften koste ein Sack Zucker mit dem Gewicht von einer Arroba (11,51 Kilogramm) 86,50 Bolivianos (8,90 Euro), das für 125 Bolivianos (12,80 Euro) in Privatläden und Marktständen von El Alto und in der Hauptstadt La Paz weiterverkauft werde.

Um den Handel auf dem regulären Markt zu verhindern, kann jede Person in einem Zeitraum von zwei Wochen nur einen Sack Zucker kaufen. Kürzlich hatte Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera anerkannt, dass mindestens 30 Prozent der EMAPA-Kunden »Wiederverkäufer sind«. Nach einer schlechten Zuckerernte 2010 im amazonischen Tiefland von Santa Cruz de la Sierra wird der süße Stoff zunehmend knapper und somit teurer. Für 2011 werde allerdings mit einer »guten Zuckerrohrernte« gerechnet, teilte die Regierung am Montag mit. Zudem kündigte sie den Import von Zucker aus Kolumbien und Brasilien an. (bb)

Ex-Regierungssprecher erhebt schwere Vorwürfe gegen Morales

Der ehemalige Sprecher des bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales hat unterdessen schwere Vorwürfe gegen den Regierungschef Boliviens erhoben. Alex Contreras wirft Morales vor sich von Schmugglern, transnationalen Unternehmen und landwirtschaftlichen Großbetrieben die Preise für Basisprodukte wie Zucker, Mais oder Reis diktieren zu lassen. Durch seine Politik habe Morales erheblich an Glaubwürdigkeit und Rückhalt in der Bevölkerung verloren. (TK)