Guatemala |

Situation der Indigenen weiterhin schwierig

Guatemalas sozialdemokratischer Präsident Álvaro Colom hatte den Indigenen bei seinem Amtsantritt versprochen, "mit Maya-Gesicht" zu regieren. Seitdem sind fast drei Jahre vergangen, ohne sich die Situation der Ethnien verbessert hätte. "Die Armut hat sich vergrößert, die Qualität der Bildung verschlechtert und von einer interkulturellen Bildungsperspektive ist nichts zu sehen", kritisierte Eduardo Sacayón, Leiter des Instituts für interethnische Studien an der guatemaltekischen Universität von San Carlos.

Nach offiziellen Angaben gehören 40 Prozent aller Guatemalteken den indigenen Völkern der Maya, Garífuna oder Xinca an. Nach eigenen Angaben stellen die Indígenas des zentralamerikanischen Landes mehr als 60 Prozent der 14 Millionen Einwohner. Vor zehn Jahren lebten acht von zehn Indigenen des Landes in Armut, aber nur vier von zehn der ´Weißen´. In den vergangnen vier Jahren konnten in diesem Bereich keinerlei Verbesserungen erzielt werden, wie der jüngst vorgestellte dritte Bericht der Regierung über die Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Millenniumsentwicklungsziele zur Armutsbekämpfung einräumt.

Demnach ging die extreme Armut, die vor allem unter den ethnischen Gemeinschaften des Landes verbreitet ist, zwischen 2000 und 2006 um lediglich einen halben Prozentpunkt auf 15,2 Prozent zurück. Die Armut der Gesamtbevölkerung sank von 56,2 auf 51 Prozent. Was die chronische Unterernährung indigener Kinder betrifft, war der Anteil 2008 bis 2009 mit 58,6 Prozent fast doppelt so hoch als wie der nicht-indigener Kinder (30,6 Prozent).

Auch im Bildungsbereich sind Indigene tief benachteiligt. 2008 waren nur 13,2 Prozent aller guatemaltekischen Schüler mit einem Sekundarabschluss indigener Herkunft, geht aus dem Nationalbericht über die menschliche Entwicklung 2009-2010 des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) hervorgeht. "Es wurden keine Maßnahmen zugunsten der indigenen Völker entwickelt, und es wurde sich nicht an die Konvention 169 (der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über deren Rechte) gehalten, weil die Interessen transnationaler und Bergbaukonzerne in den Gebieten, in denen die Gemeinschaften leben, Vorrang genießen", erläuterte Sacayón.

Die indigenen Bevölkerungsgruppen haben sich auf den öffentlichen Anhörungen zur Rohstoffförderung, die in Guatemala seit Inkrafttreten der ILO-Konvention 169 abgehalten werden müssen, weitgehend gegen die Projekte ausgesprochen. Doch der Abbau der Ressourcen geht weiter.

Quelle: IPS Weltblick