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Sicherheitskräfte verstärken Anti-Drogen-Kampf

Mit strengen Sicherheitsmaßnahmen und dem Einsatz schwerbewaffneter Spezialtruppen führt Nicaragua derzeit zu Land und zu See einen erfolgreichen Kampf gegen Drogenbanden, die ihre Ware durch Zentralamerika in die USA schaffen.

Große öffentliche Aufmerksamkeit fand der Fall von 24 Personen, die der Geldwäsche, des organisierten Verbrechens und des internationalen Rauschgiftschmuggels bezichtigt wurden. Im Zuge ihrer Ermittlungen brachte die Polizei die Beschuldigten mit einer kriminellen Vereinigung in Verbindung, die im Juli 2011 in Guatemala für den Mord an dem argentinischen Protestsänger Facundo Cabral verantwortlich war.

Cabral, den die Vereinten Nationen 1996 zum Botschafter für den Frieden ernannt hatten, wurde auf dem Weg zum Flughafen von Killern erschossen. Er saß in einem Fahrzeug des nicaraguanischen Stripteaseclub-Besitzers und Konzertveranstalters Henry Fariñas, dem der Anschlag galt. Fariñas, der schwer verletzt überlebte, gilt als Schlüsselfigur im nicaraguanischen Drogenhandel. Ermittlungen in Nicaragua, Guatemala und Costa Rica, die gemeinsam mit Interpol durchgeführt wurden, ergaben, dass Fariñas sterben sollte, weil er angeblich einem anderen Rauschgifthändler eine Schiffsladung Kokain gestohlen hatte. Der Beschuldigte wies alle Vorwürfe zurück.

Größere Fahndungserfolge

Die Presse in Nicaragua und in anderen Ländern berichtete außerdem über 18 Mexikaner, die im August an der Grenze zu Honduras festgenommen wurden und nun auf ihren Prozess warten. Sie wollten in sechs Lieferwagen, die das Emblem des mexikanischen Fernsehsenders ´Televisa´ trugen, nach Honduras einreisen. Bei ihnen wurden außerdem falsche Presseausweise gefunden.

Nach Angaben der Behörden war die Gruppe 17 Mal von Mexiko aus durch Zentralamerika gefahren, um Rauschgift in Panama und Costa Rica zu kaufen, bevor die Dealer nach einem Hinweis der Geheimdienste in Nicaragua gefasst werden konnten. In Verstecken in dem Wagen wurden 9,2 Millionen US-Dollar Bargeld gefunden. Auf den Scheinen waren Kokainreste nachweisbar.

"Nicaragua im Kampf gegen Drogenhandel sehr effizient"

Wie Generalstaatsanwalt Julio Centeno Gómez berichtete, überstieg die konfiszierte Summe das 7,6 Millionen Dollar umfassende Gesamtbudget seiner Behörde bei weitem. Die beiden spektakulären Gerichtsverfahren sowie ständigen Militär- und Polizeieinsätze in den vergangenen fünf Jahren haben das Land im Kampf gegen das internationale organisierte Verbrechen in Zentralamerika in den Brennpunkt gerückt, wie Roberto Orozco vom unabhängigen nicaraguanischen Institut für Strategische Studien und öffentliche Politik (IEEPP) erklärt.

"Nicaragua ist auf internationaler Ebene im Kampf gegen den Drogenhandel sehr effizient. Aufgrund der Größe der Verbrecherbanden und ihrer immensen Ressourcen sind jedoch alle Anstrengungen unzureichend", meint er. Verantwortliche in Armee und Polizei beschreiben Nicaragua dagegen als das sicherste Land der Region und als Schutzmauer gegen den Rauschgifthandel, obwohl weniger als 30.000 Polizisten und Soldaten für die Überwachung der 280.000 Quadratkilometer großen exklusiven Wirtschaftszone an den Karibik- und Pazifikküsten sowie an den Grenzen zu Costa Rica und Honduras bereitstehen.

Über sechs Tonnen Kokain beschlagnahmt

Aus Daten der nicaraguanischen Armee geht hervor, dass zwischen 2011 und August dieses Jahres mehr als 182.500 Einsätze gegen den Drogenhandel durchgeführt wurden. Dabei wurden 6,7 Tonnen Kokain, 93 Fahrzeuge und 41 Boote beschlagnahmt. Zudem wurden 1.288 Verdächtige aus Nicaragua und anderen Staaten festgenommen.

Nach Angaben von Polizeichefin Aminta Granera fanden zwischen September 2011 und diesem August 68 Operationen gegen internationale Rauschgiftringe statt. Zwölf Zellen von Kartellen aus Mexiko und Kolumbien seien dabei zerschlagen worden, berichtet die ehemalige katholische Nonne, die sich in den siebziger Jahren der linksgerichteten sandinistischen Guerilla angeschlossen hatte. Die Sandinisten, die 1979 den damaligen Diktator Somoza stürzten, sind inzwischen wieder an der Macht.

Die Polizeistatistiken weisen außerdem auf intensive Anstrengungen bei der Verfolgung einheimischer Drogenschmuggler hin. Bei mehr als 4.000 Einsätzen wurden demnach zwischen Januar und August dieses Jahres 3.917 Nicaraguaner festgenommen und fast 85 Kilo Kokain, Crack, Heroin und Marihuana konfisziert.

Mexikanische Gangs operieren in Managua

IEEPP-Studien von 2011 belegen, dass allein entlang der nicaraguanischen Karibikküste acht Drogenbanden mit Verbindungen zu kolumbianischen Kartellen aktiv sind. Mexikanische Gangs operierten dagegen in der Hauptstadt Managua und in der südnicaraguanischen Stadt Rivas. Den Berichten zufolge erkaufen sie sich in Nicaragua mit Rauschgift logistische Unterstützung für den Drogentransport gen Norden. Dadurch bedienen sie zugleich den Inlandsmarkt für Drogen und arbeiten lokalen Banden in die Hände.

Unschuldige Familien als potenzielle Verbrecher gebrandmarkt Menschenrechtsaktivisten jedoch werfen der Polizei bei ihren Operationen fragwürdige Taktiken vor, die gegen die Bürgerrechte verstoßen. Betroffen von solchen Übergriffen seien vor allem die Bewohner von Armenvierteln. Dort sprühten Ermittler in Zivil etwa den Schriftzug ´Hier werden Drogen verkauft´ auf Häuser mutmaßlicher Dealer.

"Wenn die Polizei weiß, dass in einem bestimmten Haus Rauschgift verkauft wird, warum nimmt sie die Verdächtigen nicht fest, übergibt die Beweise an die Staatsanwaltschaft und strengt eine formelle Anklage an?", kritisiert Roberto Cajina vom Lateinamerikanischen Netzwerk für Sicherheit und Verteidigung. Gonzalo Carrión vom Nicaraguanischen Menschenrechtszentrum sieht solche Taktiken als Missachtung der Unschuldsvermutung, da auch unbescholtene Familien als Drogenhändler gebrandmarkt würden.

Quelle: IPS, Autor: José Adán Silva, deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe

Mit schwer bewaffneten Spezialtruppen geht Nicaragua gegen Drogenbanden vor. Foto: Flickr/jpazkual