Soziales, Wirtschaft |

Sechs Millionen Lateinamerikaner fallen 2019 in extreme Armut

Lateinamerika Brasilien Sao Paulo Skyline Favela

In Lateinamerika geht die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander, wie hier am Beispiel von Sao Paulo in Brasilien gut zu erkennen ist: Vor der mordernen Skyline die Favela Heliopolis. Foto: Adveniat/Florian Kopp

Geschätzte sechs Millionen Frauen, Kinder und Männer in Lateinamerika werden 2019 in extreme Armut abrutschen. Dies geht aus einem Bericht der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hervor, der vergangene Woche vorgestellt wurde. Laut des Papiers „Sozial-Panorama 2019 Lateinamerika“ wird die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben müssen, von 66 auf 72 Millionen Personen ansteigen. Damit lebt jeder zehnte Lateinameriker von weniger als einem Dollar am Tag. 

Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, werde von 185 auf 191 Millionen (30,8 Prozent der Bevölkerung) ansteigen, stellte die CEPAL-Präsidentin Alicia Bárcena die neuen Daten vor. Wichtigster Grund für die zunehmende Not auf dem Kontinent ist die Lage in Brasilien und Venezuela. „In den anderen Ländern geht die Haupttendenz in diesem Zeitraum in Richtung Armutsverringerung“, zitiert die Nachrichtenagentur „Infobae“ den Bericht. Steigende Einkommen der armen Haushalte, aber besonders auch staatliche Sozialprogramme, private Vorsorge und Devisen-Rücküberweisungen von Verwandten im Ausland würden Armut verhindern.

So seien die staatlichen Sozialausgaben in Lateinamerika von 2011 bis 2018 im Schnitt von 10,3 auf 11,3 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Damit würden die Sozialausgaben „52 Prozent des gesamten öffentlichen Haushalts erreichen“, schreiben die CEPAL-Experten. Auch die soziale Ungleichheit würde zurückgehen, allerdings nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren. „Für die Überwindung der Armut in der Region reicht Wirtschaftswachstum nicht aus, es muss durch Verteilungspolitik und aktive Steuerpolitik begleitet werden“, appellierte Bárcena an die Regierungen. (bb)    

Weitere Nachrichten zu: Soziales, Wirtschaft