Kolumbien |

Schwierige Suche nach dem Königsweg

Das Interesse war enorm: Mehr als 500 Teilnehmer meldeten die Veranstalter und Organisatoren des "V Congreso Nacional de Reconciliación" in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Eingeladen zum nationalen Versöhnungskongress hatte die kolumbianische Bischofskonferenz.

Diskutiert wurde im Beisein des päpstlichen Nuntius Aldo Cavalli, des Präsidenten der kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Rubén Salazar Gómez, des Präsidenten des Repräsentenhauses, Simón Gaviria, über mögliche Auswege aus dem seit Jahrzehnten in Kolumbien herrschenden bewaffneten Konflikt. Zudem hatten zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und soziale Verbände ihre Experten in die Hauptstadt geschickt, um in den zahlreichen Gesprächen am Rande der dreitägigen Veranstaltung die aktuelle Situation in Kolumbien erörterten.

Vermittlung nur mit offiziellem Auftrag

"Hoffen wir, dass dieser Kongress für unser Vaterland auf seinem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden hilfreich ist", begrüßte Erzbischof Salazar die Teilnehmer im Centro de Convenciones Compensar. Salazar dämpfte übertriebene Erwartungen an eine allzu offensive Rolle der Kirche bei möglichen Vermittlungsgesprächen mit der linksgerichteten Guerilla-Organisation Farc. Solange die Kirche keinen offiziellen Auftrag der Regierung von Staatspräsident Juan Manuel Santos erhält, werde es auch keine Vermittlungsgespräche geben, stellte Salazar klar.

Gesetz zur Opfer-Entschädigung "Schritt in richtige Richtung"

Der UN-Repräsentant in Kolumbien, Bruno Moro, wertete unterdessen das neue Gesetz zur Opfer-Entschädigung und Landrückgabe als großen Schritt in die richtige Richtung: "Dieses Gesetz ist eine wirkliche ethische, moralische und kulturelle Revolution." Während Opferverbänden und Menschenrechtsgruppen das Reparationsgesetz zugunsten von Binnenvertriebenen nicht weit genug geht, werden internationale Beobachter die Initiative als richtigen ersten Schritt hin zur Versöhnung. Mit dem Gesetz will die kolumbianische Regierung den Opfer von Landvertreibungen eine Rückkehr ermöglichen. Die ersten Erfolge der Gesetze wurden allerdings von Gewaltverbrechen gegen rückkehrende Opfer überschattet.

Appell an die FARC

Der Termin für den Versöhnungskongress war klug gewählt: Nahezu zeitgleich mit den drei Tagen in Bogota veröffentlichte eine Gruppe von Friedensaktivisten, unter ihnen die prominente ehemalige Senatorin Piedad Cordoba, einen Appell an die FARC alle ihre zum Teil über zehn Jahre in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln freizulassen. Wenige Wochen zuvor hatten sich auch die rechtsgerichteten paramilitärischen Gruppen an die Kirche mit der Bitte gewandt, als Vermittlerin in möglichen Gesprächen mit dem Staat zur Verfügung zu stehen. Sowohl die linksgerichteten Guerillagruppen, die in den vergangenen zwei Wochen für zahlreiche Mordanschläge verantwortlich war, als auch die paramilitärischen Gruppen tragen für schwerste Menschenrechtsverletzungen die Verantwortung.

Staatspräsident Juan Manuel Santos bleibt allerdings bislang bei seiner Politik der harten Hand. Konkrete und direkte Gespräche mit den illegalen Gruppen lehnt er ab.

Kirche setzt auf Dialog

Derweil setzt die katholische Kirche umso mehr auf einen Dialog. Insbesondere die Auswirkungen des am 10. Juni in Kraft getretenen Gesetzes zur Opfer-Entschädigung und Landrückgabe soll für eine lebhafte Debatte sorgen: "Wir wollen, dass es einen Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren der sozialen Sektoren über die Chancen und Herausforderungen des Gesetzes gibt", forderte Bischof Héctor Fabio Henao in seiner Eigenschaft als Direktor von Caritas Colombia.

Tobias Käufer, Bogotá