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Scarabeo-9 soll Energieprobleme lösen

Kubas neuer Hoffnungsträger heißt Scarabeo-9: Den Namen trägt die ölplattform des spanisch-argentinischen Erdöl-Unternehmens Repsol YPF, die im Golf von Mexiko ein vermutetes kubanisches Erdölvorkommen fördern soll. Rund 50 Meilen vor der kubanischen Küste wird Scarabeo-9 seinen Dienst aufnehmen. Bei dem Förderprojekt handelt es sich um das erste konkrete kubanische Vorhaben in den Gewässern vor Kuba überhaupt.

In einem Erdöl- und Gasfeld mit einer Ausdehnung von rund 112.000 Quadratkilometern erwarten Experten nennenswerte Rohstoffvorkommen, die Kuba mit Hilfe seines staatlichen Energieunternehmens Cubapetróleo (CUPET) fördern will.

Nach offiziellen Angaben wurde die in China gebaute und in Singapur ausgerüstete Plattform von Sicherheitsexperten intensiv geprüft, um eine ähnliche Katastrophe wie bei dem weltweit beachteten Untergang der Plattform "Deepwater Horizont" im Golf von Mexiko vor über einem Jahr auszuschließen. Die Plattform kann nach Experteneinschätzung in bis zu 3650 Metern Tiefe öl fördern.

Erdölförderung für Wirtschaft überlebenswichtig

Kubas Wirtschaftspartner Repsol hatte bereits 2004 vor der kubanischen Küste mit der Suche nach Erdöl begonnen. Unter Experten ist allerdings umstritten wie hoch das tatsächliche Potential kubanischen Erdöls einzuschätzen ist. Während Kuba seine ölvorkommen auf offener See auf bis zu 20 Milliarden Barrel taxiert, schätzen US-Behörden das Potential mit fünf Milliarden Barrel weitaus niedriger ein. In jedem Fall sind die vermuteten Vorkommen aber beträchtlich.

Nach Angaben der kubanischen Regierung plant das Land in einem ersten Schritt fünf Bohrungen auf hoher See, um die ölvorkommen aufzufinden. Die erste Bohrung ist etwa 50 Kilometer nordwestlich von Havanna in rund 1.500 Meter Tiefe geplant. Weitere vier Bohrungen an anderen Stellen sollen in den nächsten Monaten und Jahren folgen.

Für Kubas darbende Wirtschaft wäre ein Erfolg in der Erdölförderung überlebenswichtig. Erst in den vergangenen Monaten kündigte Staatschef Raul Castro Wirtschaftsreformen an, die für eine Belebung der abgestürzten Wirtschaft sorgen sollen. Das Projekt birgt auch eine politische Brisanz, denn wegen des US-Handelsembargos sind amerikanische Firmen vom Förderprojekt ausgeschlossen. Dafür bringen sich andere Unternehmen aus Indien, China, Malaysia, Venezuela oder Skandinavien in Stellung, um an einem möglichen kubanischen ölboom teilhaben zu können.

Vom öl-Empfänger zum öl-Lieferland

Bislang ist Kuba auf öllieferungen aus dem Ausland angewiesen, um seinen Energiebedarf zu decken. Vor allem aus Venezuela erhält Havanna verbilligtes öl. Täglich liefert Caracas 90.000 Barrel nach Kuba.

Sollten die optimistischen Prognosen eintreffen und das öl tatsächlich auch gefördert werden können, könnte sich Kuba in den nächsten Jahren vom öl-Empfänger zum öl-Lieferland wandeln und damit dringend notwendige Devisen generieren.

Autor: Tobias Käufer, Bogotá