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Rund ein Viertel der EU-Hilfe ausgezahlt

Ein Jahr nach dem Erdbeben in Haiti haben die EU und ihre Mitgliedstaaten rund ein Viertel der versprochenen Hilfe ausgezahlt. Von den 1,2 Milliarden Euro, die dafür versprochen worden seien, seien knapp 332 Millionen bis zum Jahresende ausgezahlt worden, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit.

25 der 27 EU-Staaten hätten sich zudem nach dem Beben vom 12. Januar 2010 mit Rettungsteams, Wasseraufbereitungsanlagen und medizinischem Personal an der Hilfe beteiligt. Bei den mittel- und langfristigen Wiederaufbauprojekten plant die EU-Kommission für dieses und das kommende Jahr eine erhebliche Steigerung der Zahlungen.

Doppelarbeit vermeiden

Die EU-Kommission unterstreicht, wichtigste Aufgaben blieben der Wiederaufbau der Infrastrukturen, Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen, Bildung und Gesundheit. Auf EU-Ebene gebe es eine Aufgabenteilung, um Doppelarbeit zu vermeiden. So finanziere Deutschland den Bau einer Wasserkraftanlage und Frankreich zahle für den Wiederaufbau der Universitätsklinik von Port-au-Prince. Spanien konzentriere sich seinerseits auf die Wasseraufbereitung in der Hauptstadt.

Zu den Schwerpunkten der EU-Kommission gehöre die Nahrungsmittelhilfe, der Wiederaufbau von Wohnungen und die Schaffung der wichtigsten Infrastrukturen. So sei die Straßenverbindung zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Städten des Landes erneuert worden. Statt acht Stunden vor einem Jahr dauere die Fahrt jetzt nur noch drei Stunden.

Verwendung der ausgezahlten Gelder ungewiss

Unterdessen warf die katholische Haitianische Bischofskonferenz der Führung in Port-au-Prince Korruption und Konzeptlosigkeit vor. "Es ist höchste Zeit, dass man untersucht, wohin eigentlich das ganze Geld gegangen ist, das der Staat erhalten hat", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Louis Kebreau, im Interview mit der Don Bosco Mission im haitianischen Petionville.

Die Hilfsorganisationen hätten ihre Kontrollpflicht bisher nicht ausreichend wahrgenommen. Sie litten unter Fehlinformationen und vertrauten den falschen Leuten. "Der Regierung kann man nicht trauen", so der Erzbischof von Cap Haitien.

Bei dem Erdbeben kamen nach EU-Angaben rund 223.000 Menschen ums Leben, 1,7 Millionen wurden Obdachlos. Rund drei Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung, wurde von dem Beben betroffen.

Quelle: kna