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Rückhalt für ölförderfreien Regenwald gering

Ecuador hat mit seiner Yasuní-ITT-Initiative viel Zuspruch erhalten. Doch wenn es ans Zahlen geht, gibt sich die internationale Gemeinschaft zugeknöpft. Bislang hat lediglich Chile 100.000 US-Dollar gezahlt, um den Andenstaat für den Verzicht zu entschädigen, in einem artenreichsten Regionen der Welt Erdöl zu fördern.

Insgesamt will Chile eine Million Dollar in den Treuhandfonds einzahlen, den Ecuador und das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) im August eingerichtet hatten. Die Bereitstellung eines ebenso hohen Betrags hat nun auch Spanien in Aussicht gestellt. Die Zahlungsmodalitäten würden bereits analysiert, erklärte die spanische Außenministerin Trinidad Jiménez am 10. November anlässlich ihres Ecuador-Besuchs.

Bisher fließen die Mittel spärlich. Zusagen etwa aus Portugal, Italien und Kanada wurden nicht eingehalten oder wie im Fall Deutschland zurückgezogen. Dabei würde sich die Yasuní-ITT-Initiative in dreierlei Hinsicht auszahlen. Sie wäre ein wichtiger Beitrag zum Arten- und Klimaschutz und zur Anerkennung der Rechte indigener Völker.

ITT ist die Abkürzung für die Namen der drei Erdölfelder Ishpingo, Tambococha- und Tiputini (ITT), die sich unterhalb des Nationalparks Yasuní am Oberlauf des Napo im nordwestecuadorianischen Amazonasgebiet befinden. Diese Lagerstätten enthalten 847 Millionen Barrel Erdöl oder ein Fünftel der nationalen Erdölreserven, die aber nach dem Willen der Regierung unangetastet bleiben sollen.

Umwelt hat einen Preis

Staatspräsident Correa hatte sich im August in einem Abkommen mit dem UNDP dazu bereit erklärt, auf die Förderung der reichen ölvorkommen zu verzichten, die die Zerstörung einer der artenreichsten Regionen der Welt zur Folge hätte. Als Gegenleistung verlangt er von den Industriestaaten 3,6 Milliarden US-Dollar. Der Betrag entspricht in etwa der Hälfte der Einnahmen, die sich mit dem Verkauf des öls erzielen ließen. Die Gelder sollen in einen Treuhandfonds fließen, der vom UNDP verwaltet wird.

Correa hatte das Projekt, das Umweltschützer bereits Ende der 1990er Jahre entwickelt hatten, im September 2007 der UN-Vollversammlung vorgestellt. Der Zuspruch war zunächst riesig, und etliche Staaten kündigten an, das Vorhaben zu unterstützen. Zu den stärksten Verbündeten Ecuadors zählte Deutschland, das inzwischen jedoch wieder abgesprungen ist.

Kritik am Rückzieher Deutschlands

Der Deutsche Bundestag hatte 2008 mit den Stimmen aller Fraktionen die Yasuní-ITT-Initiative befürwortet, und die große Koalition stellte eine Beteiligung in Höhe von jährlich 50 Millionen Euro in Aussicht. Doch im September 2010 gab das Bundesentwicklungsministerium bekannt, dass "wir die Einzahlung in den Treuhandfonds für die ITT-Initiative nicht in Betracht ziehen".

Die Entscheidung löste in Deutschland und Ecuador heftige Kritik aus. "Die Bundesregierung droht, eine für die Weltgemeinschaft einmalige Chance zu verspielen", so etwa Joachim Lorenz, Stadtrat der Landeshauptstadt München und Vorsitzender des Klima-Bündnisses, der sich 2009 zusammen mit anderen Kommunalvertretern ein Bild von den verheerenden Schäden der Erdölförderung im ecuadorianischen Regenwald machen konnte.

"Ecuadors Yasuní-Initiative ist ein Schlüsselprojekt für den Schutz des Weltklimas, für Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe und für den Schutz der Biodiversität", so Lorenz. "Sie bekämpft zwei der zentralen Ursachen für den Klimawandel: die Verbrennung fossiler Ressourcen und die Zerstörung der Tropenwälder." Durch das Vorhaben ließen sich laut Klima-Bündnis 410 Milliarden Tonnen CO2 einsparen, und der Lebensraum mehrerer indigener Völker, etwa der isoliert lebenden Nomadenvölker Tagaeri und Taroemanane, bliebe intakt.

"Argumente substanzlos"

"Wir hatten uns auf die Unterstützung Deutschlands verlassen", protestierte der ehemalige Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung, Alberto Acosta. Der deutsche Rückzug sei ein "Dolchstoß" für die Initiative.

Die Argumente, die Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in seinem Schreiben an die grüne Bundestagsabgeordnete Ute Koczy vorgebracht habe, kritisierte Acosta, Professor an der Lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften, als substanzlos. "Die Yasuní-ITT-Initiative mit dem (UN-) Projekt zur Reduktion der Emissionen von Entwaldung und Degradierung, (REDD) zu vergleichen, offenbart eine enorme Unkenntnis der Sachlage."

Niebel hatte angekündigt, im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit weiterhin den von der ecuadorianischen Regierung eingeführten REDD-Mechanismus, das Programm ´Socio Bosque´, zu unterstützen. Socio Bosque sieht vor, privaten Waldbesitzern und indigenen Gemeinden den freiwilligen Schutz der Wälder mit finanziellen Anreizen schmackhaft zu machen.

Acosta erinnerte die Europäische Union an ihr Versprechen, im Kampf gegen den Klimawandel die Führung zu übernehmen. Diesen Worten müssten nun endlich Taten folgen. Gerade die europäischen Staaten hätten nicht nur soziale und historische, sondern auch die hohen Klimaschulden zu begleichen, die sie seit der Industrialisierung angehäuft hätten. "Die Unterstützung für ITT ist gerade in diesem Kontext von großer Bedeutung."

Autor: Gonzalo Ortiz, in: IPS Weltblick