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Renommierter spanischer Literaturpreis für Ernesto Cardenal

Ernesto Cardenal (87), nicaraguanischer Theologe, Dichter und Ex-Kultusminister seines Heimatlandes, erhält am 15. November den Königin-Sofia-Preis für iberoamerikanische Poesie. Die mit 42.100 Euro dotierte Auszeichnung wird Cardenal in Madrid verliehen. Der Preis soll das poetische Werk eines lebenden Autors ehren, das eine Bereicherung des kulturellen Erbes Lateinamerikas und Spaniens darstellt. Zu den früheren Preisträgern gehören der spanische Literat Jose Antonio Munoz Rojas (1909-2009) sowie der kolumbianische Autor Alvaro Mutis.

Cardenal wurde 1965 in Nicaragua zum Priester geweiht. Im darauffolgenden Jahr gründete er auf der Insel Solentiname im Nicaragua-See eine an radikal-urchristlichen Idealen orientierte Gemeinschaft. Nach dem Sturz der Somoza-Diktatur 1979 in Nicaragua übernahm Cardenal mit drei anderen Priestern als Minister Regierungsverantwortung in dem mittelamerikanischen Land. Nach einem jahrelangen Konflikt mit Rom wurde Cardenal 1985 die Ausübung des Priesteramtes untersagt, er darf also weder Messe lesen noch Beichte hören. Allerdings möchte Cardenal auch nicht laisiert werden.

Cardenal, einer der bekanntesten Befreiungstheologen, entdeckte früh seine Liebe zu Literatur und Dichtung, mit der er auch seinen politischen Zielen Ausdruck verlieh. Seit 1967 werden seine Bücher ins Deutsche übersetzt. 1980 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2005 wurde er für den Literaturnobelpreis nominiert. Zuletzt brachte der Wuppertaler Peter-Hammer-Verlag eine zweibändige Gesamtausgabe mit Cardenals poetischen Werken heraus: "Aus Sternen geboren". Unter diesem Titel stand auch Cardenals Lesereise im Oktober, die wahrscheinlich seine letzte in Europa war.

Quelle: KNA