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Regierung will Verschwundene suchen

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto will mehr gegen Zwangsverschleppungen im konfliktgeplagten Land tun. Dies erklärte das Staatsoberhaupt bei seinem jüngsten Besuch des G-8-Gipfels in Nordirland. „Meine Regierung hat sich über die Gründung einer Sonderbehörde und umfangreiche Untersuchungen klar zur Aufgabe gemacht, Personen, die leider verschwunden sind, zu suchen oder ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen“, erklärte das Staatsoberhaupt Mitte der Woche gegenüber der BBC.

Bei der Sonderbehörde, die in der Generalstaatsanwaltschaft angesiedelt ist, handelt es sich um die „Sucheinheit für verschwundene Personen“. Die bereits Ende Mai gegründete Spezialeinheit soll das „bürokratische Labyrinth“, dem sich Opferfamilien bei der Suche nach ihren Verwandten bisher ausgeliefert sahen, endlich beheben, so Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam auf einer Pressekonferenz Ende Mai.

Die Peña-Regierung war zuletzt zunehmend unter Druck geraten, nachdem Mütter von Verschwundenen vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt Mexiko-City in einen viel beachteten Hungerstreik getreten waren. „Wir wollen keine Versprechungen, wir wollen Taten sehen“, forderte Olga Reyes, Angehörige von sechs ermordeten Familienmitgliedern, bei der Vorstellung der Sondereinheit auf CNN Mexiko.

Offiziellen Statistiken zufolge wurden seit 2006 mehr als 26.000 Personen gegen ihren Willen verschleppt und gelten seitdem als verschwunden. In dieser Zeit ist der vom mexikanischen Staat erklärte „Krieg gegen die Drogen“ eskaliert. In den letzten sieben Jahren sind dem bewaffneten Konflikt zwischen staatlichen Sicherheitskräften und informellen Drogenkartellen über 70.000 Menschen zum Opfer gefallen. (bb)