Argentinien |

Prozess wegen Kindesraub in Militärdiktatur

Seit gestern ist der Prozess gegen sechs Militärs im Fall „Militärkrankenhaus Paraná“ (Provinz Entre Ríos) eröffnet. Die Armeeangehörigen werden beschuldigt, am 2. Januar 1978 die beiden neugeborenen Kinder von Raquel Negro geraubt zu haben. Die Gerichtsverhandlung in der Stadt Paraná soll bis zum 26. August fortgesetzt werden. In dem Prozess werden über 50 Zeugen aussagen.

Neugeborene zur Adoption freigegeben

Raquel Negro wurde am 2. Januar 1978 gemeinsam mit ihrem Ehemann entführt. Die Aktivistin wurde in geheimen Haftanstalten gefangen gehalten und im März 1978 ins Militärkrankenhaus überstellt, wo sie Zwillinge zur Welt brachte. Die Neugeborenen wurden gleich nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt und in ein Weisenhaus gebracht.

Das Mädchen wurde unter dem Namen Sabrina Gullino adoptiert. Erst im Dezember 2008 fand sie ihre wahre Identität heraus. Ihr Bruder, der mit Atemwegs- und Herzproblemen zur Welt kam, gilt bis heute als vermisst. In seinem Fall wird weiter ermittelt.

„Historischer“ Prozess

Verantworten für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen sich nun der Oberst Pascual Oscar Guerrieri, der Militär und Anwalt Juan Daniel Amelong, der ehemalige Militärgeheimdienstler Walter Salvador Dionisio Pagano sowie die Ex-Militärs Jorge Alberto Fariña und Marino Héctor González und der Militärarzt Juan Antonio Zaccaria, der in jener Zeit die Intensivstation im Militärkrankenhaus leitete. Die Angeklagten befinden sich in Haft und sind wegen Entführung Minderjähriger unter zehn Jahren und Tilgung des zivilen Status der Entführten angeklagt.

Der Fall wurde von Angehörigen der geschädigten Familie gemeinsam mit der Vereinigung der Mütter der Plaza de Mayo, der Gruppe H.I.J.O.S und der argentinischen Staatsanwaltschaft für Menschenrechte vor Gericht gebracht. In einer Erklärung wird der Prozess von den Klägern als „historisch“ betrachtet. Man habe 30 Jahre lang auf diesen Prozess gewartet. (bh)

Quelle: Adital