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Protestmarsch für Wasser und gegen Gold

Saul Idrogo ist Milchbauer im Dorf Coinas Verdes in der nordperuanischen Provinz Cajamarca und fest entschlossen, die Bergseen in seiner Gemeinde zu verteidigen. Dafür ist er zehn Tage zu Fuß von Cajamarca in die Hauptstadt Lima marschiert, um Präsident Ollanta Humala vom geplanten Goldförderprojekt "Conga" abzubringen. Gleich neben Idrogos Bergsee möchten die Betreiber von Yanacocha, der größten Goldmine Südamerikas, eine neue Goldmine im Tagebau errichten. Vier Milliarden Dollar wollen sie investieren, vier Bergseen müssten zugeschüttet werden. Die Genehmigung hatte bereits die Vorgängerregierung erteilt.

Dagegen wehren sich große Teile der ländlichen Bevölkerung Cajamarcas. Vor allem Bewohner der Andenprovinzen haben Angst, dass die Bergbauprojekte ihnen das Wasser abgraben, das sie für ihre Landwirtschaft brauchen, sie aber vom Goldreichtum Perus nicht profitieren werden.

"Wenn Conga kommt, geht Ollanta"

Das Abbauvorhaben "Conga" ist zur ersten großen Herausforderung für den seit Juli 2011 amtierenden Ollanta Humala geworden. Der einst als linker Bürgerschreck verrufene Linksnationalist hat sich im Amt gewandelt und fährt einen wirtschaftsfreundlichen Kurs, der großen Bergbauprojekte Vorrang einräumt. Die Deviseneinnahmen aus dem Bergbau, so Humala, seien notwendig, um Sozialprojekte durchführen zu können. Seine Bergbaufreundlichkeit beschert Humala zwar eine gute Auslandspresse - in Peru hingegen wenden sich viele Wähler von dem Politiker ab: insbesondere die Bauern aus den Andengebieten, unter deren Böden der Reichtum Perus liegt.

An die 10.000 von ihnen sind am 10. Februar durch Lima marschiert mit der Forderung "Kein Conga" oder "Wenn Conga kommt, geht Ollanta". Einer der Anführer der Proteste ist der Priester und Gründer der öko-Partei "Tierra y Libertad", Marco Arana. Das Problem sei, dass man einem Entwicklungsmodell folge, "dass nur funktioniert, wenn es die Wasserquellen zerstört", sagt der Umweltaktivist. Arana und die Demonstranten kommen nicht mit leeren Händen nach Lima: Sie wollen dem Parlament zwei Gesetzesentwürfe vorschlagen. Der eine soll verbieten, dass in Wasserquellgebieten Bergwerke genehmigt werden; der andere soll die Anwendung von Chemikalien wie Quecksilber und Zyanid im Bergbau verbieten.

Neue Macht der Regionalpräsidenten

Die Regierung hat auf die Proteste gegen das Projekt "Conga" mit der Beauftragung einer neuen Umweltstudie reagiert. Ausländische Experten sollen untersuchen, ob und wie das Projekt den Wasserhaushalt beeinträchtigen wird. Allerdings hat Bergbauminister Jorge Merino durchblicken lassen, dass das Projekt als solches nicht mehr rückgängig gemacht werden könne. Die eingegangene Verpflichtung mit dem Investor sei rechtlich bindend. Außerdem, so Merino, sei die Wasserversorgung ein rein technisches Problem: Es gäbe im Grunde genügend Wasser, nur würden die starken Regenfälle im Meer verschwinden. Die Lösung sei, bessere Wasserreservoirs zu bauen.

Die Auseinandersetzung um das Projekt "Conga" zeigt auch die neue Macht der gewählten Regionalpräsidenten. Nicht nur in Cajamarca stellt sich die Regionalregierung offen gegen die Hauptstadt Lima, in der weiterhin die Entscheidungen über Großinvestitionen getroffen werden. Obwohl die Provinzen, in denen große Bergbauprojekte existieren, hohe Steuereinnahmen haben, gibt es eine weit verbreitete Unzufriedenheit bei denen, die in der Nachbarschaft der Bergbauprojekte leben.

Weniger betroffen zeigen sich dagegen die Bewohner der Küstenstadt Lima. Manuel Grau sieht von seiner Baustelle aus dem Protestmarsch zu. Er profitiert als Maurermeister vom Bauboom in Peru, der auf den hohen Einnahmen aus dem Bergbau gründet. Dennoch hat er Verständnis für die Demonstranten. "Es ist wirklich ein Problem, dass der giftige Abraum nicht besser entsorgt wird im Bergbau". Präsident Humala, bekannt für seine Wortkargheit, hat sich zu den massiven Protesten noch nicht geäußert. Bisher ist keine Strategie erkennbar, wie die Regierung auf die im ganzen Land brodelnden Bergbaukonflikte reagieren will.

Autorin: Hildegard Willer, KNA

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