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Priester kämpfen in Buenos Aires gegen die Droge Paco

In den Armenvierteln von Buenos Aires verbreitet sich seit ein paar Jahren die Droge Paco - mit verheerenden Folgen. In der Nähe des berüchtigten Viertels Villa Bajo Flores unterhält die Kirche Auffangzentren für Drogenabhängige.

Staubig ist es nicht nur, weil die Lernwilligen sägen, schleifen und löten. Während in verschiedenen Räumen Kurse abgehalten oder Beratungsgespräche geführt werden, hämmern und zimmern in anderen Teilen des Hauses Handwerker. "Das Zentrum funktioniert seit März als Ausbildungs- und Therapiestätte, aber bauen wir es weiter auf", sagt Padre Gustavo Carrara. Im ersten Stock steht um einen Tisch eine kleine Gruppe Männer und Frauen, die aufmerksam einem Elektriker zuhören. Er zerlegt einen Stecker und zeigt, wie man Kabel anschließt. Derweil sitzen andere ein Stockwerk darüber vor Computern und lernen Programme bedienen.

Erbitterte Drogenschlachten

Das "Hogar de Cristo" (Christus-Heim) ist eines von drei Auffangzentren für Drogenabhängige, die katholische Priester in Buenos Aires ins Leben gerufen haben. Es liegt gegenüber Villa Bajo Flores, einem der berüchtigtsten Armenviertel der argentinischen Hauptstadt. Hier wohnen in einfachen Häusern arme Argentinier, aber vor allem Einwanderer aus Bolivien, Peru und Paraguay. Die rund 40.000 Bewohner können sich keine bessere Gegend leisten. Vor rund drei Jahren führten hier Drogenbanden erbitterte Schlachten mit vielen Todesopfern.

Zurzeit liest man in den Zeitungen wenig über Auseinandersetzungen in Villa Bajo Flores. Dennoch gehören Gewalt und die Angst davor zum Alltag. Drogenbosse beherrschen das Viertel. Seit ein paar Jahren bedroht zudem ein neues Übel die dort lebenden Familien: die Droge Paco. Auch die Droge der Armen genannt, weil sie sich zuerst in den Slums ausbreitete. Padre Gustavo sagt: "Ganze Familien werden durch Paco zerstört."

Billige Droge

Paco ist der Kurzname für "Pasta basica de cocaina", zu Deutsch Kokapaste, ein Neben- oder Abfallprodukt der Kokain-Gewinnung. Paco ist billig. Wer es raucht, ist in kürzester Zeit ein physisches und psychisches Wrack. Ein hoher Anteil der Konsumenten wird kriminell und gewalttätig, um an Paco zu kommen.

Drei Priester leben in Villa Bajo Flores. Gleich an einem der Zugänge des Viertels liegt die Pfarrei Santa Maria Madre del Pueblo. Wenn der 38-jährige Padre Gustavo durch die Gassen des Slums geht, wird er alle paar Meter gegrüßt oder um Hilfe gebeten. Die Geistlichen kennen die Sorgen der Menschen, die hier leben.

Jeden Mittag sammeln sie die Paco-Süchtigen auf und geben ihnen im "Hogar de Cristo" eine warme Mahlzeit. "Wir haben das Zentrum bewusst außerhalb des Viertels gebaut, damit die Abhängigen aus ihrem alltäglichen Umfeld herausgezogen werden", sagt Padre Gustavo. In dem Heim können die Suchtkranken auch mit Psychologen sprechen.

Drei-Etappen-System

Das Zentrum funktioniert nach einem Drei-Etappen-System: Zuerst werden die Paco-Konsumenten sensibilisiert, ihre Abhängigkeit wahrzunehmen. Dann können sie sich zu einer Entziehungskur in einer staatlichen Einrichtung entschließen. Wenn sie von dort zurückkommen, begleiten die Priester sie beim Aufbau einer neuen Existenz. "Hogar de Cristo" bietet nicht nur Lehrstellen und die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen, sondern auch Kurse in Theater, Radiojournalismus und Sport.

Die Idee zu der Priestergemeinschaft in den Slums stammt aus der früheren "Bewegung Priester für die Dritte Welt". Sie entstand Ende der 60er Jahre in der katholischen Kirche Argentiniens aus der Überzeugung von Geistlichen, aktiv gegen die sozialen Missstände kämpfen zu müssen. Heute gehören den "Priestern für die Armenviertel" in Buenos Aires 22 Geistliche an.

Finanziert wird "Hogar de Cristo" von der Pfarrei. "Manchmal erhalten wir die eine oder andere kleine Unterstützung von der Regierung", sagt Padre Joaquin, der für die Lehrkurse verantwortlich ist. Ansonsten glänze die Regierung in Villa Bajo Flores vor allem durch Abwesenheit, meint der 28-Jährige. Es fehlt an Schulen, an Gesundheitsversorgung, an Sicherheit und Arbeitsmöglichkeiten. Diese Realität erwartet die Menschen im "Hogar de Cristo", wenn sie das Zentrum wieder verlassen.

Autorin: Camilla Landbö (KNA)