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Präsident droht Veto gegen Bischofsernennung an

Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa will bei der Ernennung "fundamentalistischer" katholischer Bischöfe künftig von seinem Vetorecht Gebrauch machen. Er werde nur noch solchen Kandidaten zustimmen, die sich intensiv der Frage der sozialen Gerechtigkeit widmeten, sagte Correa in einer Radiosendung am Sonntag (Ortszeit). In einer Region wie Lateinamerika sei die soziale Frage "weitaus wichtiger als die Frage der Moral".

Correa bezog sich damit auf die aktuelle Neubesetzung des Apostolischen Vikariates San Miguel de Sucumbios. Er werde seine Zustimmung zu einem Bischof dann verweigern, wenn versucht werde, "die soziale Arbeit in Sucumbios zu zerstören und durch eine fundamentalistische Sekte zu ersetzen, die vier oder fünf Jahrhunderte in der Vergangenheit lebt", so der linksgerichtete Präsident, der seine Ausbildung an mehreren katholischen Einrichtungen absolvierte.

Die Leitung des katholischen Kirchenbezirkes im Norden des Landes ist seit Oktober vakant. Der bisherige Bischof, Gonzalo Lopez Maranon (77), hatte sich in seinen 26 Amtsjahren einen Ruf als Anwalt der indigenen Bevölkerung erworben. Unter anderem protestierte er international gegen ein vom US-ölkonzern Chevron verursachtes Umweltdesaster.

Kirchliche und soziale Organisationen hatten im Februar in einem Offenen Brief eine Diskriminierung von Indigenen, Afro-Amerikanern und anderen Gruppen in Sucumbios beklagt. Die Vorwürfe richteten sich gegen Mitglieder der konservativen katholischen Gemeinschaft "Heraldos del Evangelio", die nach dem Weggang von Bischof Lopez die Leitung verschiedener kirchlicher Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen in der Region übernommen hatte.

Die ecuadorianische Regierung kann gegen die Ernennung eines Bischofs durch den Vatikan ein Veto einlegen. Bislang kam dies aber nicht vor.

Quelle: kna