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Präsident Bolsonaro preist Paraguays Ex-Diktator Stroessner

Lobende Worte für die Militärdiktatur, die in Brasilien von 1964 bis 1985 herrschte, hatte Jair Bolsonaro in der Vergangenheit schon gefunden. Auch vom ehemaligen Diktator des Nachbarkandes Paraguay zeigt er sich nun angetan. 

Brasilien, Bolsonaro

Präsident Bolsonaro mit seiner Frau (Mitte) mit US-Außenminister Michael Pompeo mit Mrs. Pompeo (Foto: US Embassy, Flickr, Public Domain Mark 1.0)

Brasiliens Präsident Bolsonaro traf sich am Dienstag, dem 26. Februar 2019, mit seinem paraguayischen Amtskollegen Mario Abdo Benítez im Grenzgebiet der beiden Staaten. Anlass für die Zeremonie war die Ernennung einer neuen Führung für das Wasserkraftwerk Itaipú, das Brasilien und Paraguay gemeinsam am Rio Paraná betreiben. Paraguays Präsident ist der Sohn des langjährigen Privatsekretärs von Ex-Diktator Alfredo Stroessner. Dieser herrschte von 1954 an über das Land, bis er am 3. Februar 1989 durch einen Militärputsch entmachtet wurde. Der deutschstämmige Stroessner starb 2006 im Alter von 93 Jahren - im brasilianischen Exil.

Paraguay war nach Krieg begehrtes Ziel von Nazis

Bolsonaro bezeichnete Stroessner nun als Staatsmann mit einer Vision. Die Website der brasilianischen Wochenzeitung "Brasil de Fato" erinnert daran, dass auf das Konto von Stroessner 150.000 politische Gefangene und 3.000 Tote gingen. Folter, Entführungen und politische Morde waren an der Tagesordnung. Paraguay war unter der Herrschaft von Stroessner ein Zufluchtsort für Nazis wie den KZ-Arzt Josef Mengele gewesen.

Menschenrechtsorganisationen prangern weiterhin an, dass Verbrechen aus der Zeit der Diktatur nicht bestraft würden. Bolsonaro zufolge sei Stroessner klar gewesen, dass Paraguay nur dann Fortschritte machen könne, wenn die Energieversorgung gesichert sei. Daher würdige er den General. Bolsonaro, der schneidig aufzutreten pflegt, war Hauptmann beim brasilianischen Militär. Der Präsident nutzte die Gelegenheit gleich noch dazu, seine Vorgänger aus der Zeit der Militärdiktatur zu loben.

Alte Wunden bluten wieder

Paraguays Präsident Mario Abdo Benítez folgte Bolsonaros Worten, Berichten zufolge, mit unbewegtem Blick. Bolsonaro bezeichnete Abdo als Christen, Konservativen und Familienmensch. Es sei ihm eine Freude, den Kollegen in Kürze in Brasilia zu empfangen. Zu Bolsonaros Auftritt zählte auch der Ausruf "Nie mehr Linke!". Am 12. März werden die beiden Präsidenten wieder zusammen kommen, dann geht es auch um den Bau zweier neuer Brücken zwischen Brasilien und Paraguay. Während das Wasserkraftwerk Itaipú 74 Prozent der Energieversorgung Paraguays abdeckt, sind es im Fall Brasiliens 17 Prozent.

In Paraguay lebt die Debatte um die Erinnerung an die Diktatur dieser Tage wieder auf. Wie die spanische Tageszeitung "El País" schreibt, setzen sich Veteranen des Partido Colorado dafür ein, dass die sterblichen Überreste von Alfredo Stroessner aus Brasilia nach Paraguay überführt werden. Die paraguayische Historikerin Margarita Durán Estragó von der Universidad Católica in Asunción bedauert, dass die von der Diktatur hinterlassenen offenen Wunden von neuem zu bluten anfingen. In Anspielung auf Bolsonaros Auftritt fügt sie an, dass Paraguays Nachbarn sich auch nicht gerade als hilfreich erwiesen. (bs)

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