Honduras |

Präsenz von Militär und Drogenmafia verschärft Landkonflikt

Die Regierung von Honduras hat vor dem Hintergrund der wachsenden Gewalt im Nordosten des Landes rund 1.000 Soldaten und Polizisten in die Konfliktregion entsandt. Doch die Bauern der Region fürchten, dass die Präsenz der vielen Sicherheitskräfte und die Anwesenheit der Drogenmafia der Bildung paramilitärischer Gruppen Vorschub leisten wird, die die geplante Landreform zum Erliegen bringen.

Die Gewalt in Bajo Aguán hat in der zweiten Augusthälfte dramatisch zugenommen. So wurden in der Region 14 Menschen ermordet. Zu den Opfern gehörten der Leiter der Bauernorganisation MARCA, Secundino Ruíz Vallecillo, und der Chef der ´Bewegung der Vereinigten Bauern von Aguán´ (MUCA), Pedro Salgado. Die Mitglieder beider Verbände sollten von einem mühsam ausgehandelten Landreformdeal profitieren.

Die Verbrechen, die offenbar auf das Konto bezahlter Killer gehen, ereigneten sich etwa zeitgleich zu einem Militär- und Polizeieinsatz im Nordosten des Landes. An der Operation ´Xatruch II´ in Bajo Agúan sind rund 1.000 Sicherheitskräfte beteiligt, die Straßenkontrollen und andere Sicherheitsmaßnahmen durchführen

Paramilitarisierung befürchtet

Andrés Pavón von der Plattform des Kampfes für die Menschenrechte, einem Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen, warnt vor Versuchen, die komplexen Probleme in der Region im Hauruck-Verfahren zu lösen. Er warnte den honduranischen Staat davor, die Grundlagen für die Entstehung paramilitärischer Strukturen zu schaffen, von denen die Großgrundbesitzer profitierten.

Der Soziologe Eugenio Sosa, der die Konfliktregion besucht hat, hält die Sorge Pavóns für berechtigt. Auch wenn es keine Anzeichen für einen Pakt zwischen Paramilitärs und dem Staat wie in den 1980er Jahren gebe, bestehe dennoch die realistische Gefahr, dass sich Sicherheitskräfte und Drogenmafia von den Großgrundbesitzern anheuern lassen, die sich der Landreform zugunsten der Kleinbauern widersetzen.

Wie Sosa erläuterte, ist der Landkonflikt kein neues, sondern ein wiederkehrendes Phänomen. Die Anwesenheit von Akteuren, die mit den Konfliktparteien selbst nichts zu tun hätten, wirke jedoch gewaltverschärfend.

Probleme militärisch nicht zu lösen

In der Region Bajo Aguán und im gesamten nördlichen Departement hätten staatliche Institutionen noch nie funktioniert, die Regierungen jedoch versagt, die Defizite zu beheben. Militärisch seien die Probleme keinesfalls zu lösen, sondern nur durch integrale Ansätze, meint Agustín Avelar, ein ehemaliger Oberst und fügt warnend hinzu: "In dieser Region gibt es einen Konflikt, der unkontrolliert zu einer handfesten Krise ausarten könnte."

In Honduras ist der Streit um Land eine unendliche Geschichte. Zwar haben die vor einem halben Jahrhundert eingeleitete Landreform und die Verteilung von fast 410.000 Hektar Land die Situation vor Ort entschärft. Doch konnte in den letzten beiden Jahrzehnten der Prozess der Landkonzentration nicht abgebremst werden. Geschätzt wird, dass mehr als 126.000 Bauernfamilien keinen Zugang zu Land oder einer geregelten Arbeit haben.

Sosa zufolge ist es der Regierung des rechtskonservativen Staatspräsidenten Porfirio Lobo gelungen, eine Tür für Verhandlungen um Landrechte zu öffnen. Gleichzeitig jedoch lassen die jüngsten Entwicklungen nicht darauf schließen, dass die Großgrundbesitzer zu Kompromissen bereit sind.

Widerstand gegen Landreform

Die Gewalt in Bajo Aguán kommt zu einer Zeit, in der die Regierung die Bauern von MARCA, MUCA und von der Bewegung ´Rigores´ im Zuge eines in einem 18-monatigen Verhandlungsmarathon erzielten Abkommens mit dem Magnaten Miguel Facussé mit fast 4.000 Hektar Land ausstatten will. Doch Facussé hat das Abkommen nach der Ermordung von sechs privaten Sicherheitsleuten und einem Pflanzenschutzexperten mit der Erklärung gekippt, die Bauern seien für das Verbrechen verantwortlich.

Seit 2009 kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den kleinen Farmern und den einflussreichsten Großgrundbesitzern der Region, Facussé und René Morales. Beide besitzen in der Region Bajo Aguán riesige Flächen Land, die sie sich den Bauern zufolge jedoch widerrechtlich angeeignet haben. Allein Facussé besitzt in der Atlantik-Region 20.000 Hektar Land. Gerichtliche Klagen gegen den Unternehmer treten derzeit auf der Stelle.

In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen in der Region ist es dem Geschäftsmann gelungen, die gesamte Wirtschaftselite hinter sich zu scharen, um unisono ein "Ende der Gewalt" und den Respekt von "Rechten" zu fordern. Darüber hinaus verstieg sich der einflussreiche Unternehmer zu der Aussage, dass die Bauern der Region von Kräften aus Venezuela und Nicaragua ausgebildet würden, um dem Kampf um Land eine ideologische Richtung zu geben und die linken Regierungen in die Querelen hineinzuziehen.

Gemeinsame Sache mit der Drogenmafia?

Doch Gilberto López von Rigores weist die Vorwürfe als Hirngespinste zurück. Er beschuldigt seinerseits ´Tío Mike´ (Miguel Facussé) mit der Drogenmafia gemeinsame Sache zu machen, damit diese die Bauern liquidiere. "Das behaupte ich ohne die geringste Angst, denn hier ist der Tod allgegenwärtig", betont er. "Wo sollten wir schon Waffen herbekommen? Es ist Facussé, der gedungene Mörder unter Vertrag nimmt, um uns zu töten", sagte er.

López geht nicht davon aus, dass die Intensität der Gewalt in der Region nachlässt. Vielmehr werde sich die Situation weiter verschlechtern. "Wir brauchen eine neue Landreform, die Großgrundbesitzer wie Facussé dazu zwingt, das von ihnen geraubte Land den Bauern zurückzugeben."

Thelma Mejíja, IPS-Weltblick