Honduras |

Polizei vertreibt tausende Bauernfamilien

In Honduras ziehen Großgrundbesitzer, Justiz und Polizei an einem Strang. Hunderte Bauernfamilien ohne Land wurden am Dienstag im Nordosten der mittelamerikanischen Nation mit Polizeigewalt aus ihren Armensiedlungen vertrieben, vermeldeten lokale Medien. Mit automatischen Waffen im Anschlag seien die Sicherheitskräfte gegen die 1.500 Familien vorgegangen, mindestens 30 Menschen wurden verhaftet, die Mehrheit von ihnen Frauen.

Die richterlich angeordnete Räumung auf Antrag lokaler Landeigentümer beruft sich auf das „Gesetz zur Modernisierung und Entwicklung des Agrarsektors“, zitiert der Nachrichten-Sender TeleSur die Bauernbewegung von San Manuel Cortés (MOCSAM). Das „verfassungsfeindliche Gesetz“ sorge seit 20 Jahren dafür, dass „tausende Bauern und Bäuerinnen der Besetzung angeklagt sind, es hunderte Tote und Verletzte gibt, so MOCSAM. Trotz der „brutalen“ Aktion und anhaltender Drohungen seitens der Latifundisten werde es neue Landnahmen geben, kündige MOCSAM in einer Erklärung an.

Bereits vor einer Woche wurden nahe der Zuckerplantage Aldea Carmen und Umgebung im Departamento San Pedro Zula über 3.000 Familien vertrieben. Carlos Discua, Chef der eingesetzten 105. Infanteriebrigade erklärte damals gegenüber der Tageszeitung „ La Prensa“, dass die „Mehrheit der Häuser einfach gebaut waren, nur aus Holz“. Der Kläger, der die Räumung beantragt hatte, will auf dem Gelände einen Wohnkomplex für den Privatgebrauch errichten, berichtet „La Prensa“.

Eine weitere Räumung von über 1.000 Menschen wurde aus dem Zuckeranbau-Gebiet von San Manuel im San Pedro Sula vermeldet, wobei 16 Personen wegen Widerstandes verhaftet wurden. Auch im Dauer-Konflikt von Bajo Aguán, bei dem über 60 Menschen gestorben sind, droht eine neue Eskalation. Zu Wochenbeginn erklärte Großgrundbesitzer und Multi-Millionär Miguel Facussé, dass er trotz eines möglichen Aufkaufs der Palmöl-Plantagen durch die Bauernbewegung MUCA einen Räumungsantrag nicht zurückziehen werde. Polizeisprecher Héctor Iván Mejía warnte derweil vor einem „Blutvergießen“. (bb)