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Pantanal "€“ ein bedrohtes Paradies

Das Naturschutzgebiet hat sich des Zugriffs mächtiger ökonomischer Interessen zu erwehren. Besorgte Umweltschützer, Wissenschaftler und Einheimische setzen sich für eine nachhaltige Entwicklung ein.

Das Feuchtbiotop des Pantanal, das größte Sumpfgebiet der Erde, ist Bestandteil eines noch gewaltigeren Naturraumes, des Beckens des Oberen Río Paraguay. Dessen Ausdehnung auf brasilianischer Seite entspricht der doppelten Fläche von ganz Uruguay. Unter den sechs bioklimatischen Landschaften Brasiliens gilt das Pantanal als die am besten erhaltene – nur 15 Prozent der ursprünglichen Vegetation wurden gerodet. Um ein ungetrübtes Idyll handelt es sich dennoch nicht: Das Abschlachten der Kaimane geht immer weiter, die Abfälle aus den Städten werden zum großen Teil nicht angemessen entsorgt.

Ganzes Interesse gilt dem Amazonasgebiet

Bedauerlicherweise schenken jedoch die brasilianische Gesellschaft und die internationale öffentlichkeit der Bedrohung des Pantanal kaum Aufmerksamkeit. Dieses erstreckt sich im Südwesten Brasiliens über die Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul. Obwohl von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet, findet das Pantanal nicht das Interesse, welches das Amazonasgebiet auf sich zieht. Die große Frage lautet: Wie kann das Feuchtgebiet auf nachhaltiger Basis entwickelt werden, ohne dass seine beeindruckende Biodiversität verloren geht? Hierfür ist vor allem entscheidend, in welche Richtung sich die Viehzucht in der Gegend entwickelt. Deren Anfänge im Pantanal reichen bis zum frühen 18. Jahrhundert zurück. Im Unterschied zum Amazonasgebiet wurden hier bislang noch nicht intensiv Waldflächen gerodet, um Platz für Weiden zu schaffen. Das Vieh weidet auf sowohl auf Natur- als auch auf kultivierten Weiden. Selbst in der Trockenzeit finden die Tiere ein umfangreiches Nahrungsangebot. Der Trend geht sehr stark hin zu einer zertifizierten Viehzucht. Ein Branchenvertreter spricht von “bewusstem Verbraucherverhalten”.

Stadt-Land-Gefälle

Der Viehbestand im Pantanal macht mit 4 Millionen Rindern zwei Prozent des brasilianischen Gesamtbestandes von 200 Millionen aus – Brasilien liegt damit in der weltweiten Spitzengruppe. Aber auch der Fischfang hat im Pantanal Tradition. Viele Menschen verdanken ihm ihre Existenz. Der 62jährige Américo Sousa etwa begann mit zwölf Jahren zu fischen. Der Vater von sieben Kindern berät mit seiner großen Erfahrung seit langem Wissenschaftler. Menschen wie Sousa geben dem Pantanal mit ihrem persönlichen Einsatz eine Perspektive in Richtung nachhaltiger Entwicklung. Zu den Herausforderungen zählt auch die ungleiche Lebensqualität der ländlichen und der städtischen Bevölkerung. Dies betrifft zum Beispiel den Zugang zu Wasser oder das Vorhandensein einer Kanalisation. Forscher sprechen aufgrund einer Untersuchung vom Fehlen einer staatlichen Politik zugunsten der Benachteiligten.

Autor: José Pedro Martins, in: Adital, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel