Kolumbien |

Pablo Escobar als Touristenmagnet

Die Zeiten in denen Pablo Escobar Angst und Schrecken in Kolumbien verbreitete, sind schon lange vorbei. Und trotzdem elektrisiert der Name des wohl berühmtesten aller kolumbianischen Drogenbosse heute wieder die Massen.

Escobar starb im Dezember 1993 im Kugelhagel der Fahnder, bis heute ist ungeklärt, ob die Projektile der US-amerikanischen Spezialeinheiten oder jene der kolumbianischen Polizei das Leben des milliardenschweren Drogenbarons beendeten. Das tut dem ohnehin sagenumwobenen Ruf des aus einfachen Verhältnissen stammenden Kolumbianers keinen Abbruch. Im Gegenteil.

"London hatte Jack the Ripper, Chicago seinen Al Capone", schrieb das Wall Street Journal in diesen Tagen und schlug den Bogen nach Kolumbien: „Und Medellín hat seinen Pablo Escobar.“ Vor seinem weißen Grabstein in der zweitgrößten kolumbianischen Stadt ist das Gras niedergetrampelt. Immer mehr Touristen verlieren die Angst vor der einst "gefährlichsten Stadt der Welt" zu der die Washington Post Medellín zu Hochzeiten Escobars kürte. Ein Besuch des Friedhofs im Stadtteil Itagüi gehört einfach zum Touristenprogramm. Immer mehr internationale aber auch kolumbianische Touristen wagen sich auf die Spuren des Gründers des Medellín-Kartells, das die USA in den 80er und 90er Jahren mit Kokain überschwemmte.

Skrupelloser Drogenboss mit Luxusreich

Escobar - das war jener gefürchtete Drogenboss, der als Vorlage für so viele Spielfilme diente und denen die Helden von Miami Vice im Fernduell das Handwerk legen wollte. Escobar, der es vom einfachen Autodieb an die Spitze eines der umsatzstärksten Drogenkartelle der Geschichte schaffte, zahlte für jeden ermordeten Polizisten oder Richter Todesprämien. Und er hinterließ jede Menge Spuren.

Zu Lebzeiten leistete sich Escobar eine riesige Hacienda mit dem Namen Napoles. Woche für Woche pilgern die Touristen auf das Gelände, nicht nur weil sie eines der kleinen Flugzeuge mit denen Escobar einst die Luftbrücke der Kokainpäckchen in die USA starte, anschauen wollen. Auch die Mehrzahl der exotischen Tiere, die auf dem riesigen Gelände zu sehen sind, hatte Escobar noch selbst angeschafft. Er schaffte sich einen riesigen Fuhrpark an Oldtimern und Luxuskarossen an und regierte über ein Reich an Immobilien bestehend aus traumhaften Apartments und Luxusvillen.

Schrecken der Vergangenheit - Legende lebt weiter

Findige Tourismusführer in Medellín bieten seit kurzem spezielle "Escobar-Touren" an. All den Luxus, den Escobar einst mit seinem Kokain-Imperium anschaffte, aber auch die Orte der von ihm angeordneten Hinrichtungen und Massaker und das Luxus-Gefängnis in das ihn der Staat einsperren ließ, stehen auf der Liste der Sehenswürdigkeiten. Sehr zum Leidwesen der lokalen Tourismusbehörde, die sich gerne von dem Namen reinwaschen würde. Deren stellvertretende Leiterin Madeleine Torres macht gute Miene zum bösen Spiel: "Wir können diese Touren nicht verbieten", sagt sie. "Aber Kolumbien bietet nun einmal weit mehr als die Vergangenheit und Kokain."

Medellín hat einen Wandel hinter sich. Moderne Designerhotels laden die Gäste ein, die sich in der Partyzone „Parque LLeras“ vergnügen wollen. Zudem etablierte sich eine bemerkenswerte Musik- und Kunstszene, die sich ganz bewusst von der Vergangenheit distanziert: "Die Leute haben keine Angst mehr nach Medellín zu kommen. Die Stadt ist voll mit Ausländern", sagt der lokale DJ Andy Sky nicht ohne Stolz. Escobars Schrecken sind Vergangenheit, seine Legende aber lebt weiter.

Autor: Tobias Käufer, Bogotá