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Osterinsel: Land in Sicht für Ureinwohner

Vor über 1.000 Jahren besiedelten die Vorfahren der polynesischen Ureinwohner die Osterinsel, die 1888 von Chile annektiert wurde. Endlich scheinen ihre Proteste für eigenes Land Früchte zu tragen. Chiles Regierung prüft finanzielle Entschädigungen für die Rapa Nui.

Im Februar 2011 räumte die chilenische Polizei eine luxuriöse Hotelanlage auf der Osterinsel, die monatelang symbolisch von den Rapa Nui, den Ureinwohnern, besetzt worden war. Diese wollten ihrer Forderung nach Land Nachdruck verleihen, lebten ihre Vorfahren doch schon tausend Jahre vor der Ankunft der Europäer auf der Insel.

Regierung in fast 4.000 Kilometer Entfernung

Während die Indigenen in den Achtziger Jahren des 20. Jahrhundertes noch zwei Drittel der Bevölkerung stellten, sind heute weniger als die Hälfte der 5.000 Bewohner Ureinwohner. Sie können nicht nachvollziehen, warum eine Regierung in fast 4.000 Kilometer Entfernung auf dem südamerikanischen Kontinent über ihr Schicksal bestimmt. Mit einer Fläche von 164 Quadratkilometern ist die isoliert im Pazifik liegende Osterinsel etwa so groß wie Saarbrücken. Seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe, haben die monumentalen Steinskulpturen, die Moais, die Osterinsel weltberühmt und zu einem exotischen Reiseziel gemacht, das von Südamerika aus angeflogen wird.

Übertragung staatlichen Landes geplant

Nachdem die friedlichen – teilweise gewaltsam beantworteten - Proteste der Ureinwohner in Form symbolischer Besetzungen in letzter Zeit zugenommen hatten, scheint nun endlich Bewegung in den Konflikt zu kommen. Chiles Ministerium für Nationale Güter prüft die Abspaltung eines Teils der über 40 Quadratkilometer großen Fläche, die dem Staatskonzern Sasipa gehört, der hier Viehzucht betreibt. Den Indigenen sollen Landparzellen von jeweils 2,5 Hektar, in einem Gesamtumfang von acht Quadratkilometern, übertragen werden. Viele Experten müssen zu Rate gezogen werden, besitzt die gesamte Osterinsel doch einen einzigartigen archäologischen Wert, der sie zu einem nationalen Monument macht. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, so soll die Bevölkerung der Insel über das Projekt abstimmen. Dabei geht es sowohl um die Meinung generell, wie auch um die Frage, wer Landstücke erhalten soll.

Nicht-Insulaner kaufen sich ein

Die Entwicklungskommission für die Osterinsel (Codeipa), die auf dem chilenischen Indigenen-Gesetz basiert, soll Personen auswählen. Von den 15 Mitgliedern des Gremiums sind 8 Rapa Nui, sodass die Indigenen die Entscheidung selbstbestimmt treffen können. Bereits im August 2010 wurden auf der Osterinsel sogenannte „Arbeitstische“ gebildet, die Lösungen für die zahlreichen Probleme erarbeiten sollen. Im Juli 2010 hatten die Rapa Nui beklagt, dass Nicht-Insulaner bald mehr Land besitzen würden als die einheimische Bevölkerung. Neben der Übertragung von Land geht es in den Verhandlungen auch um mögliche finanzielle Entschädigungen in Fällen, in denen der chilenische Staat der Besitzer von Land ist, auf das lokale Clans Anspruch erheben. Juan Carlos Bulnes, Staatssekretär im chilenischen Ministerium für Nationale Güter, betont, es solle eine Lösung auf dem Weg des Konsenses gefunden werden. Die Regierung werde keine Lösung diktieren.

Autor: Bernd Stößel

Quellen: La Tercera, the santiago times