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OECD-Studie: Schlechte Noten für Chile

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weist Chile unter den 34 Mitgliedsstaaten die höchste Einkommensungleichheit auf. Auch die Armutsrate ist mit 18,9 Prozent besonders hoch und liegt lediglich in Mexiko und Israel noch höher. Im Durchschnitt der Mitgliedsstaaten liegt sie bei zehn Prozent, heißt es in dem Untersuchungsbericht mit dem Titel "Panorama der Gesellschaft" (Panorama de la Sociedad).

Kindersterblichkeit sehr hoch

Kritisiert wird auch die hohe Kindersterblichkeit, die nur in der Türkei und Mexiko noch höher ist. In Chile sterben sieben von 1.000 lebend geborenen Kindern im ersten Lebensjahr.

Besorgniserregend hoch ist laut Studie auch die Intoleranz der Bevölkerung bezüglich sexueller Diversität. Nur rund 45 Prozent der Einwohner tolerierten demnach Lesben und Schwule. Der Grad der Toleranz liegt in anderen OECD-Ländern um 52 Prozent. Die Organisation "Bewegung zur Integration und Befreiung Homosexueller" (MOVILH) erneuerte angesichts dieses Ergebnisses in einer Pressemitteilung ihre Forderung, dass die Politik auch die Belange sexueller Minderheiten in ihre Agenda aufnehmen müsse. Laut MOVILH seien die Ergebnisse der Studie ein Spiegel dessen, dass die Politik bisher nicht ausreichend tätig geworden sei.

Seit 2010 OECD-Mitglied

Für die Messung der Ungleichheit wird der Gini-Koeffizient herangezogen. Er liegt in Chile bei 0,50. Der Koeffizient anderer OECD-Mitgliedsstaaten bewegt sich um 0,31.

Die Mitgliedschaft in der OECD steht nicht allen Ländern offen. Nach Beitrittsverhandlungen entscheiden die Mitglieder, ob ein Land aufgenommen wird. Die meisten OECD-Mitglieder gelten als „entwickelte Länder“ und weisen ein hohes Pro-Kopf-Einkommen auf. Chile trat 2010 der OECD bei. (bh)

Quelle: Adital