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Oaxaca: Minengegner auf offener Straße beschossen

Im Konflikt um die Silbermine Cuzcutlán hat es am vergangenen Samstag in San José del Progreso (Oaxaca) erneut einen bewaffneten Angriff auf Minengegner gegeben. Dabei wurden Bertín Vásquez Ruiz und Guadalupe Andrés Vásquez Ruiz in San José de Progreso angeschossen. Bertín Vászquez wurde am Bauch schwer verletzt und musste in ein Krankenhaus nach Oaxaca-Stadt gebracht werden. Andrés Vásquez wurde am linken Bein getroffen, sein Zustand gilt als stabil, heißt es in lokalen Presseberichten. Die beiden sind Mitglieder der Koordinationsstelle der Völker von Ocotlán (CPUVO), die unter anderem auch den Widerstand der Minengegner koordiniert.

Gegenüber der Presse erklärte der Leiter von CPUVO, Virgilio Sánchez Vásquez, die Schüsse hätten Aarón Pérez Vásquez (stellvertretender Bauleiter) und Edgar Vásquez Hernández (Sohn jenes Gemeindebürgermeisters, der die Genehmigungen für die Mine erteilte), abgefeuert. Mindestens acht Patronenhülsen wurden gefunden. Vorausgegangen sei möglicherweise ein Streit zwischen Minengegnern und -befürwortern.

Dritter Angriff innerhalb eines Jahres

Dies ist bereits der dritte gewaltsame Angriff auf Minengegner in San José del Progreso in diesem Jahr. Zwei Personen starben bei den Attacken vom Januar und März. Angesichts des neuerlichen Angriffs sprach Virgilio Sánchez von “Paramilitarismus", seitens der Gemeindeleitung und den Minenbetreibern. Aarón Pérez sei ein “Mörder im Dienste der Mine Cuzcutlán”, der zu keinerlei Gesprächen bereit sei, so der Vorsitzende von CPUVO. Er forderte eine umgehende juristische Untersuchung des Vorfalls.

Die Organisation CPUVO habe bereits mehrfach auf Unregelmäßigkeiten und Gewaltakte im Zusammenhang mit der Mine hingewiesen, bis heute gäbe es keine Reaktion der Regierung in Oaxaca-Stadt, kritisiert das Kollektiv Oaxacas zur Verteidigung der Territorien (Colectivo Oaxaqueño en Defensa de los Territorios) in einem gestern Abend veröffentlichten Kommuniqué.

Die Mine Cuzcatlán im Süden Mexikos ist ein Tochterunternehmen der kanadischen Firma “Fortuna Silver” und seit letztem Herbst in Betrieb. Minengegner kritisieren, dass eine ordnungsgemäße Befragung der Bevölkerung zur Mine nie stattgefunden habe. Sozialprogramme seien an eine Haltung zugunsten des Bergbaus gekoppelt worden, zudem habe die Mine beispielsweise durch den rechtswidrigen Landkauf von Gemeindeland Tatsachen geschaffen und die Dorfgemeinschaft gespalten. (bh)