Mexiko |

Nur drei Prozent der Frauenmorde strafrechtlich verfolgt

Zwischen 1985 und 2013 wurden laut dem nationalen Fraueninstitut (Inmujeres) mehr als 36.600 Frauen in Mexiko ermordet. Nur rund 3 Prozent der Verbrechen wurden von den Behörden aufgeklärt und strafrechtlich geahndet, so Pablo Navarrete Gutiérrez, juristischer Koordinator des Instituts auf einer Informationsveranstaltung am 19. November in Guadalajara.

„Die Gewalt in Mexiko ist eine der großen Herausforderungen, die unsere Demokratie bewältigen muss“, erklärte der juristische Sprecher. „Jeden Tag werden durchschnittlich 6,5 Frauen ermordet.“ Mit dieser hohen Ziffer bleibe das Phänomen der Frauenmorde in Mexiko weiterhin besorgniserregend, so Navarrete Gutiérrez. Auch ein 2007 eingeführtes Gesetz, das Frauen den Zugang zu einem gewaltfreien Leben ermöglichen soll, habe bisher wenig an der Situation ändern können. Besonders erschreckend sei die Tatsache, so Navarrete Gutiérrez, dass 5,6 Prozent der Opfer unter 5 Jahren sind. „Dies zeigt eine besonders hohe Brutalität der Täter und spiegelt einen sozialen Verfall der Gesellschaft wieder“, erklärte er.

Die Initiative der Nobelpreisträgerinnen (Iniciativa de las Mujeres Premio Nobel) warnte bereits Anfang November davor, dass die Gewalt gegen Frauen in Mexiko ein gefährliches Ausmaß erreicht habe. Nach Recherchen der Initiative, die unter anderem von den Friedensnobelpreisträgerinnen Jody Williams und Rigoberta Menchú gegründet worden ist, haben Frauenmorde in Mexiko zwischen 2006 und 2012 um 40 Prozent zugenommen.

Die Aktivistinnen sehen im ausufernden Drogenkrieg der letzten Jahre und der zunehmenden Militarisierung Mexikos zwei gravierende Faktoren, welche die Gewalt gegen Frauen forciert haben. Nach Meinung der Nobelpreisträgerinnen werde von der mexikanischen Regierung immer noch zu wenig unternommen, um der Gewalt ein Ende zu setzen. Zwar erkenne die Regierung das Phänomen der Frauenmorde formell an, unternehme bisher aber noch zu wenig, um Opfer zu schützen und Täter vor Gericht zu stellen. Besonders fehle es nach Ansicht der Initiative an Maßnahmen gegen korrupte Polizeibeamte und Richter, die in Verbrechen gegen Frauen verwickelt sind. (sck)